Olli Maier: Biografie, Erbschleicher-Vorwurf und die Wahrheit

Vicco von Bülow hatte den Film bereits einmal gesehen. Trotzdem setzte er sich erneut hin, schaute ihn ein zweites Mal an und schrieb danach Helga Feddersen einen Brief. „Gnädige Frau“, so Loriot, „ich habe gestern Abend zum zweiten Mal den Film gesehen, ich bin immer noch begeistert.“ Unter die Unterschrift zeichnete er eines seiner Knollenmännchen. Diesen Brief fand man Jahrzehnte später in einem Berliner Penthouse, zwischen goldenen Krönchen und Hunderten von Erinnerungsstücken an eine Frau, die seit zwanzig Jahren tot war. Die Wohnung gehörte Reinhard Maier, in Deutschland bekannt als Olli Maier, dem Mann, dem die Öffentlichkeit zwei Jahrzehnte lang ein einziges Wort nachgerufen hatte: Erbschleicher.



Schauspieler und Sänger aus Stuttgart

Reinhard „Olli“ Maier, geboren am 17. März 1945 in Stuttgart, wuchs im Stadtteil Hallschlag auf, Am Römerkastell 7. Als Schauspieler blieb er in der zweiten Reihe: Nebenrollen in Plattenküche (1978), Ein Fall für TKKG, Aktenzeichen XY… ungelöst und kurze Kinoauftritte in Winterspelt 1944 (1978), Dirndljagd am Kilimandscharo (1983) und Sunshine Reggae auf Ibiza (1983). Als Sänger arbeitete er mit Produzent Frank Dostal zusammen, unter anderem an den Songs Heiße Würstchen mit Salat und Ich liebe Aerobic. Einen eigenständigen Durchbruch schaffte er nie.

Geburtsdatum17. März 1945
GeburtsortStuttgart-Hallschlag
Gestorben6. Januar 2011, Berlin-Adlershof
Bürgerlicher NameReinhard Maier
Späterer NameReinhard Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen
BerufSchauspieler, Sänger
LebensgefährtinHelga Feddersen (ca. 1975–1990)
BeigesetztSteigfriedhof, Stuttgart-Bad Cannstatt

15 Jahre an der Seite von Helga Feddersen

Mitte der 1970er Jahre wurde Maier der Lebensgefährte von Helga Feddersen. In den 1980er Jahren erkannten rund 96 Prozent der Deutschen Feddersen auf Anhieb, mehr als den amtierenden Bundeskanzler. Feddersen war der Star, Maier ihr Begleiter, und dieses Verhältnis änderte sich in den folgenden 15 Jahren nie.

1983 gründeten die beiden gemeinsam das Theater am Holstenwall in Hamburg, untergebracht im umgebauten Ballsaal eines Hotels mit 250 Plätzen. Maier übernahm als Intendant die Geschäftsleitung. Feddersen spielte dort ihre Paraderolle Perle Anna über 400 Mal und machte das Haus weit über Hamburg hinaus bekannt. Dazu nahmen sie 1983 gemeinsam eine deutsche Coverversion von Save Your Love unter dem Titel Ich zähl‘ jede Stunde ohne Dich auf.

Ein Fakt, der in fast allen Berichten fehlt: Maier investierte 400.000 Deutsche Mark seines eigenen Vermögens in das Theater. Nicht Feddersens Geld. Seines.

Als Feddersen ab 1987 schwer erkrankte, ein bösartiger Tumor hinter dem rechten Auge, gefolgt von einer Kiefervereiterung, Medikamentenabhängigkeit und einem Körpergewicht unter 35 Kilogramm, brachen die Einnahmen ein. 1989 meldete das Theater Konkurs an. Olli Maiers Geld war weg.


Warum haben Olli Maier und Helga Feddersen erst kurz vor ihrem Tod geheiratet?

Am 22. November 1990 heiratete Helga Feddersen ihren langjährigen Lebensgefährten. Zwei Tage später, am 24. November 1990, starb sie im Alter von 60 Jahren in der Hamburger Universitätsklinik an einem Leberkrebsleiden.

Der Grund für das späte Heiraten war sachlich und hatte nichts mit Kalkulation zu tun: Seit dem Tod ihres ersten Mannes, des NDR-Dramaturgen Götz Kozuszek, im Jahr 1985 bezog Feddersen eine Witwenrente. Diese Rente hatte das laufende Theater mitfinanziert. Eine frühere Heirat mit Maier hätte sie sofort beendet.

Ein zweites Detail ist mindestens ebenso bedeutend. Die Beisetzung in Stuttgart war Helga Feddersens eigener ausdrücklicher Wunsch. Nur als Ehefrau konnte sie rechtlich im Familiengrab auf dem Steigfriedhof in Stuttgart-Bad Cannstatt beigesetzt werden. Journalist Jürgen Worlitz, enger Vertrauter des Paares, bestätigte dies gegenüber den Stuttgarter Nachrichten ausdrücklich.

Hamburg reagierte trotzdem mit Empörung. Der Bürgermeister rügte Maier öffentlich. Die Boulevardpresse schrieb, „unsere Helga“ sei nach Stuttgart „entführt“ worden. Das Wort Erbschleicher prägte seinen öffentlichen Ruf für die nächsten zwei Jahrzehnte.

Dabei trug Maier kein nennenswertes Erbe davon. Das Theater war bankrott, die Witwenrente endete mit Feddersens Tod, und was im Nachlass verblieb, war ein kleines Grundstück aus Kozuszeks Erbe, das Maier Jahre später gegen ein Wohnrecht in einem Berliner Penthouse eintauschte. Der Mann, dem die Öffentlichkeit Erbschleicherei vorwarf, hatte erheblich mehr Geld in Helga Feddersens Karriere gesteckt als umgekehrt.

Auf ihrem Grabstein steht bis heute nicht sein Name, dabei liegt er direkt neben ihr: Abteilung 29, Reihe 5, Grab 3 auf dem Steigfriedhof.


Adoption, Autobiografie und die langen stillen Jahre

Nach Feddersens Tod versuchte Maier kurzzeitig, das Theater am Holstenwall allein weiterzuführen, ohne Erfolg. Von 1990 bis 1995 lebte er mit der Schauspielerin Bea Fiedler zusammen, die er bereits 1983 am Set von Sunshine Reggae auf Ibiza kennengelernt hatte.

1992 wurde bekannt, dass Maier sich für 200.000 Deutsche Mark von Erna Eilts adoptieren ließ, die durch ihre dritte Ehe mit Timo Prinz von Sachsen den Titel Erina Prinzessin von Sachsen trug. Timo war ein Nachkomme von Ernst Heinrich von Sachsen, Enkel des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. Maier trug fortan den Namen Reinhard Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen. Am Sachsen-Erbe war er nicht beteiligt. Mit seiner Adoptivmutter stritt er sich schnell.

1993 erschien seine Autobiografie: Ich, Buhmann der Nation: Selbstdarsteller, Wegbegleiter von Helga Feddersen, Seine Königliche Hoheit, geschrieben gemeinsam mit Journalist Jürgen Worlitz (Reim Verlag Hamburg).

Danach zog er sich vollständig zurück. Rund elf Jahre lebte er in Palma de Mallorca, in einer Wohnung, die den Erben des Malers Joan Miró gehörte. 2007 kehrte er nach Berlin zurück, in ein Penthouse in Adlershof, das er durch ein geerbtes Kozuszek-Grundstück erhalten hatte. Dort lebte er zurückgezogen, ohne Öffentlichkeit, umgeben von Feddersen-Souvenirs und goldenen Krönchen.


Ein Tod in Adlershof

Am 6. Januar 2011 legte eine Nachbarin ein Paket vor Olli Maiers angelehnte Wohnungstür in Berlin-Adlershof. Als es am nächsten Tag noch immer dort lag, rief sie die Polizei. Die Beamten fanden Reinhard Maier tot in seinem Penthouse. Todesursache: Herzinfarkt. Er war 65 Jahre alt.

Am 21. Februar 2011 begleiteten genau zehn Menschen ihn auf den Steigfriedhof in Stuttgart-Bad Cannstatt. Er wurde neben der Frau beigesetzt, deren letzten Wunsch er zwanzig Jahre zuvor erfüllt hatte.

Im November 2011 wurde sein Nachlass in Stuttgart versteigert. Seine Erben, entfernte Cousins, ließen sich dabei zitieren:

„Wir haben keinen Bezug zu Helga Feddersen und dem turbulenten Leben unseres Vetters.“

Olli Maier liegt auf demselben Friedhof wie sie. Sein Name steht nicht auf dem Grabstein.

Dennis Luft
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Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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