Ursula Lillig war mehr als ihre Rolle in Raumpatrouille Orion

Ursula Lillig war eine deutsche Schauspielerin und Hörspielsprecherin, geboren am 2. September 1938 in Magdeburg und gestorben am 16. Juni 2004 in Frankfurt am Main. Einem breiten Publikum wurde sie 1966 durch die Rolle der Funkoffizierin Helga Legrelle in der Kultserie „Raumpatrouille Orion“ bekannt. Diese sieben Folgen prägen bis heute ihr öffentliches Bild, obwohl sie nur einen kleinen Ausschnitt aus einer Laufbahn zeigen, die sich über mehr als vier Jahrzehnte Theater und Hörspiel erstreckte.



Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:

  • Geboren: 2. September 1938 in Magdeburg
  • Gestorben: 16. Juni 2004 in Frankfurt am Main, an den Folgen einer Krebserkrankung
  • Beruf: Schauspielerin und Hörspielsprecherin
  • Bekannteste Rolle: Helga Legrelle in „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ (1966)
  • Berufliches Zentrum: Theater in Mainz und Frankfurt am Main, sowie Hörspielproduktionen über rund vier Jahrzehnte

Herkunft und erste Theaterjahre

Ihre Bühnenlaufbahn führt zum Stadttheater Mainz. Das Theaterlexikon der Theaterfreunde Mainz nennt dort ein Engagement von 1950 bis 1953. Legt man ihr Geburtsjahr zugrunde, wäre sie zu diesem Zeitpunkt zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt gewesen, ein ungewöhnlich frühes Alter für ein festes Engagement an einem Stadttheater. Andere Quellen, darunter die deutsche Wikipedia, übernehmen diese genaue Jahreszahl nicht und beschreiben ihre Ausbildung allgemeiner als Zeit im Umfeld von Gustaf Gründgens in Hamburg und Berlin. Welche Version zutrifft, lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen nicht klären. Übereinstimmend belegt ist dagegen, dass ihre künstlerischen Anfänge fest in Mainz und im Gründgens-Umfeld liegen.


Der Weg vor die Kamera

Ihren ersten dokumentierten Fernsehauftritt hatte sie 1958 als Viola in einer Verfilmung von Shakespeares „Was ihr wollt“ unter der Regie von Ludwig Berger. 1961 folgte mit „Bis zum Ende aller Tage“, international auch als „Girl from Hong Kong“ vertrieben, ihre erste größere Filmrolle als Geesche. Danach übernahm sie kleinere Rollen in Produktionen wie:

  • „Das Kriminalmuseum“ (1968), Folge „Die Reifenspur“
  • „Attentat auf den Mächtigen“ (1969), als Frau von Dubrow
  • „Drüben bei Lehmanns“ (1971 bis 1973), als Monika Münch in sechs Folgen

Helga Legrelle und die Serie, die ihren Namen bis heute trägt

1966 übernahm sie in „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ die Rolle der Helga Legrelle. Die Serie lief nur eine einzige Staffel mit sieben Folgen und entwickelte danach den Ruf eines Klassikers der deutschen Fernsehgeschichte. An ihrer Seite standen Dietmar Schönherr, Eva Pflug, Claus Holm, Wolfgang Völz und Friedrich G. Beckhaus vor der Kamera. 2003 wirkte sie außerdem an der Dokumentation „Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino“ mit, die sich mit der Nachwirkung der Serie beschäftigte.


Frankfurt: Theater am Turm und eigene Theatergruppe

In den 1970er Jahren gehörte sie in Frankfurt zum Ensemble des Theaters am Turm, kurz TAT, das in dieser Zeit eng mit Rainer Werner Fassbinder verbunden war. Anfang der 1980er Jahre wurde sie Gründungsmitglied der freien Frankfurter Theatergruppe „Schlicksupp teatertrupp“, einem Teil der Frankfurter Off-Theaterszene jener Jahre.

Aus dieser Frankfurter Zeit stammt auch ihre Verbindung zu Fassbinder selbst. 1978 übernahm sie in seinem Film „In einem Jahr mit 13 Monden“ eine kleine Rolle als Putzfrau, kein Hauptpart, aber ein Auftritt in einem der zentralen Werke des deutschen Nachkriegsfilms, entstanden genau in dem Frankfurter Theaterumfeld, in dem sie zu dieser Zeit arbeitete.


Hörspielarbeit über vier Jahrzehnte

Während ihre Filmrollen über die Jahrzehnte verteilt und meist klein waren, zieht sich ein anderer Bereich durchgehend durch ihre Laufbahn: das Hörspiel. Bereits 1959 sprach sie die Dryas in einer Hörspielfassung von „Faust 2“, inszeniert von Gustaf Gründgens, mit Will Quadflieg in der Hauptrolle, eine der frühesten erhaltenen Aufnahmen mit ihrer Stimme. In den folgenden Jahrzehnten kamen weitere Produktionen hinzu, häufig unter der Regie von Hermann Treusch und Hans Drawe:

  • „Protokoll einer Sitzung“ (1978), Regie Hermann Treusch, mit Vadim Glowna
  • „Liebe“ (1986), Regie Hans Drawe, mit Brigitte Grothum
  • „Rekordversuch“ (1988), Regie Hans Drawe, mit Evelyn Hamann
  • „Gabriels Message“ (1995), ihre letzte dokumentierte Hörspielarbeit, mit Michael Quast und Wolfram Koch

Gemessen an der Anzahl belegter Produktionen ist das Hörspiel der umfangreichste dokumentierte Teil ihres Werks, deutlich größer als ihre Fernsehauftritte.


Letzte Jahre

In den 1990er Jahren stand sie noch zweimal für größere Fernsehproduktionen vor der Kamera: 1993 im Mehrteiler „Der große Bellheim“ von Dieter Wedel, einem der großen deutschen Fernseh-Mehrteiler jener Zeit, und 1997 in der „Polizeiruf 110“-Episode „Feuertod“. Es war ihr letzter dokumentierter Fernsehauftritt. Sieben Jahre später starb sie in Frankfurt am Main, der Stadt, in der sie den größten Teil ihres Theaterlebens verbracht hatte.


Eine Karriere, die größer war als eine einzelne Rolle

In ihrer eigenen Laufbahn blieb Helga Legrelle eine Ausnahme. Weder davor noch danach spielte sie eine ähnlich bekannte, durchgehende Fernsehrolle. Sucht man heute nach der Schauspielerin, findet man vor allem die Funkoffizierin an Bord der Orion. Der übrige Teil ihrer Arbeit liegt daneben: Bühnen in Mainz und Frankfurt, eine selbst gegründete Theatergruppe, eine Nebenrolle in einem Fassbinder-Film und knapp vierzig Jahre Hörspielarbeit neben einigen der bekanntesten deutschen Theaternamen ihrer Zeit. Wer nur die sieben Folgen von 1966 kennt, kennt einen kleinen, gut sichtbaren Ausschnitt aus einem deutlich größeren Berufsleben.

Dennis Luft
Dennis Lufthttps://newszentral.de/
Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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