Olga Scharypowa: Die Vorwürfe gegen Alexander Zverev

Bei der Siegerehrung des Australian-Open-Finales 2025 rief eine Zuschauerin namens Nina quer durch den Melbourne Park: „Australia believes Olya and Brenda.“ Olya ist der Name, unter dem Olga Scharypowa in ihrem Umfeld bekannt ist, und mit dem Ruf war klar, wer gemeint war. Alexander Zverev hatte das Finale gerade gegen Jannik Sinner verloren. Auf die Zwischenrufe angesprochen, sagte er später: „Ich glaube, sie war die Einzige im Stadion, die in dem Moment irgendetwas geglaubt hat. Ich glaube, es gibt seit neun Monaten keine neuen Vorwürfe mehr. Ich habe alles getan, was ich konnte, und ich werde das Thema nicht wieder aufmachen.“

Das war im Januar 2025. Seitdem hat Zverev zwei weitere Grand-Slam-Finals erreicht, und beide Male wurde über Scharypowas Vorwürfe erneut berichtet.



Wer ist Olga Scharypowa?

Scharypowa wurde 1997 in Moskau geboren und spielte selbst Tennis, bis zu einer höchsten Junioren-Weltranglistenposition von 287, dokumentiert bei der Tennisstatistikplattform CoreTennis. Zverev und sie kannten sich nach seiner eigenen Aussage bereits aus Kindertagen im Juniorentennis. Eine Beziehung führten die beiden von September 2018 bis Dezember 2019. Nach Angaben deutscher Medien wie t-online und Blue News lebt sie heute in New York und arbeitet dort als Fotografin.


Die Vorwürfe von 2020

Am 28. Oktober 2020 postete Scharypowa ein Foto von sich auf Instagram, mit dem Satz: „Ich wurde geschlagen und werde nicht mehr schweigen.“ Einen Namen nannte sie zunächst nicht. Wenige Stunden später bestätigte sie gegenüber dem russischen Portal Championat, dass es um Alexander Zverev gehe. Kurz darauf wurde sie in einem Interview mit der Bild-Zeitung konkreter: „Es war psychischer Missbrauch. Es war körperlicher Missbrauch.“ Zverev habe sie verbal erniedrigt, sagte sie: „Er sagte mir immer: Du bist nichts, du hast nichts. Ich habe Geld, ich bin erfolgreich. Und du? Du hast gar nichts.“

Die ausführlichste Version ihrer Geschichte veröffentlichte der US-Journalist Ben Rothenberg, zuerst im Magazin Racquet im November 2020, dann in einem längeren Artikel bei Slate im August 2021. Darin beschreibt Scharypowa drei Vorfälle:

  • New York, kurz vor den US Open 2019: Zverev soll ihr ein Kissen ins Gesicht gedrückt haben, bis sie kaum noch atmen konnte. Sie sei danach barfuß aus dem Hotel geflohen.
  • Genf, Laver Cup 2019: Zverev soll ihr ins Gesicht geschlagen haben. Danach habe sie sich Insulin gespritzt, obwohl sie nicht an Diabetes leidet. Ein Offizieller des Laver Cups habe geholfen, sie wieder ansprechbar zu machen.
  • Shanghai Masters 2019: Ein weiterer Vorfall, wieder gefolgt von einer Insulinspritze in suizidaler Absicht.

Zverev bestritt die Vorwürfe von Anfang an. Angezeigt hat Scharypowa ihn nie. Zur Bild sagte sie, sie habe sich nicht an die Polizei gewandt, weil sie Zverev damals noch geliebt habe und für Ermittlungen mental nicht bereit gewesen sei.


Die ATP prüfte 15 Monate lang

Der Tennis-Weltverband ATP eröffnete im Oktober 2021 eine interne Untersuchung. Sie dauerte 15 Monate. Im Januar 2023 erklärte die ATP, es gebe keine ausreichenden Beweise, um die Vorwürfe zu bestätigen, wie ESPN berichtete. Zverev blieb ohne Sanktion. Die ATP hielt allerdings ausdrücklich fest, sie werde das Ergebnis überprüfen, sollten neue Beweise auftauchen oder ein rechtliches Verfahren Verstöße gegen ihre eigenen Regeln offenlegen. Ein Gericht war zu keinem Zeitpunkt mit den eigentlichen Vorwürfen befasst, denn die Prüfung fand ausschließlich verbandsintern statt.


Der Fall Brenda Patea läuft getrennt davon

Oft werden Scharypowas Vorwürfe mit einem zweiten Fall vermengt, dem von Brenda Patea, der Mutter von Zverevs 2021 geborener Tochter. Patea wirft Zverev vor, sie im Mai 2020 in Berlin körperlich verletzt zu haben, also nach dem Ende seiner Beziehung mit Scharypowa. Im Herbst 2023 erließ das Amtsgericht Tiergarten einen Strafbefehl über 450.000 Euro gegen Zverev, der Einspruch einlegte. Es kam zum öffentlichen Prozess. Im Juni 2024 wurde das Verfahren gegen eine Zahlung von 150.000 Euro an die Staatskasse und 50.000 Euro an gemeinnützige Organisationen eingestellt, wie Courthouse News unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur meldete. Ein Schuldeingeständnis war die Einstellung nicht.

Der Patea-Fall landete vor einem ordentlichen Strafgericht mit Anklage, Verhandlung und Einigung. Der Fall Scharypowa blieb eine interne Prüfung eines Sportverbands, ohne Anklage und ohne Prozess.


Warum „das Gericht hat das bestätigt“ nicht stimmt

Vor den US Open 2021 sagte Zverev bei einer Pressekonferenz auf eine Frage zu Scharypowas Vorwürfen: „Das Gericht hat das bestätigt.“ Ein Journalist fragte nach, welches Gericht welches Urteil gefällt habe. Zverev antwortete: „Wir sind nicht vor Gericht gegangen. Wenn das Gericht es bestätigt hat, hat es das eben bestätigt.“

Ein Gericht hatte zu diesem Zeitpunkt nie über die Vorwürfe selbst geurteilt. Zverev hatte in Deutschland wegen Verleumdung gegen Rothenberg persönlich sowie gegen Racquet und Slate geklagt. Ein deutsches Gericht erließ daraufhin eine einstweilige Verfügung, die dazu führte, dass Slate seinen Artikel für Leser innerhalb der EU sperrte, wie ebenfalls Courthouse News dokumentierte. Racquet nahm seinen Artikel vollständig vom Netz und zog sich 2024 aus dem Verfahren zurück. Rothenberg focht die Klage gegen ihn persönlich weiter an, teils über Crowdfunding finanziert.

Der Unterschied zur ATP-Entscheidung ist wichtig für das Verständnis des Falls. Das deutsche Verleumdungsrecht verlangt von einem Kläger den Nachweis, dass eine Veröffentlichung ihm persönlich geschadet hat. Ob sie inhaltlich zutrifft, spielt für die Zulässigkeit keine Rolle. Eine einstweilige Verfügung entscheidet über das Recht, einen Text zu veröffentlichen. Über den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe entscheidet sie nicht.


Die Vorwürfe kehren zurück, wenn Zverev gewinnt

Große Sportmedien griffen das Thema erneut auf, als Zverev im Juni 2026 das Finale der French Open erreichte, und wieder, als er sich im Juli 2026 für das Wimbledon-Finale qualifizierte, wie Yahoo Sports berichtete.

Die ATP hatte 2023 zwei Bedingungen genannt, unter denen ihre Entscheidung überprüft werden könnte: neue Beweise oder ein Gerichtsverfahren, das Regelverstöße offenlegt. Keine der beiden Bedingungen ist seither eingetreten. Der Name Scharypowa taucht trotzdem jedes Mal wieder auf, sobald Zverev in einem großen Finale steht.

Dennis Luft
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Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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