Ana Barbarez: Die Frau von WM-Trainer Sergej Barbarez

Ana Barbarez hat, soweit sich das recherchieren lässt, in ihrem gesamten Leben kein einziges Interview gegeben. Nicht während des Kriegs, der sie 1992 aus Mostar nach Hannover trieb. Nicht in den sechs Jahren beim HSV, in denen ihr Mann zum Publikumsliebling wurde. Nicht in diesem Sommer, während Bosnien und Herzegowina unter seiner Führung zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder bei einer WM-Endrunde steht.

Genau das macht sie zu einer ungewöhnlichen Figur im deutschen und bosnischen Fußball. Sie hat über mehr als drei Jahrzehnte konsequent nichts von sich preisgegeben, während um sie herum fast alles öffentlich wurde.



Die Flucht aus Mostar, einen Monat vor dem Krieg

Sergej und Ana Barbarez kennen sich aus der Jugend. Beide wuchsen in Mostar auf, waren Nachbarn, wurden später ein Paar. Diese frühe Verbindung hält bis heute.

Ende März 1992, etwa einen Monat bevor der Krieg auch Mostar erreichte, verließen Sergejs Vater, seine Schwester und Ana gemeinsam die Stadt und gingen nach Hannover. Sergejs Mutter Zlata blieb während des gesamten Kriegs in Mostar zurück. Sergej selbst hatte kurz zuvor bei einem Verwandten in Deutschland ein Probetraining bei Hannover 96 bekommen und blieb, während sich die politische Lage in Jugoslawien weiter zuspitzte.

Diese Wochen im Frühjahr 1992 sind der einzige Teil der Geschichte, in dem Ana Barbarez als eigenständige Person vorkommt, jemand, der unter Zeitdruck eine eigene, folgenreiche Entscheidung getroffen hat, lange bevor die Fußballkarriere ihres Mannes überhaupt begann.


Sechs Jahre Hamburg, ein Leben ohne Rampenlicht

Nach Stationen bei Union Berlin, Hansa Rostock und Borussia Dortmund wechselte Sergej Barbarez im Jahr 2000 zum Hamburger SV. Die sechs Jahre dort, wie die Sportschau rückblickend beschreibt, machten ihn zum Publikumsliebling und in Hamburg heimisch.

Für Ana Barbarez bedeutete das: eine Stadt, in der sie ihre beiden Söhne großzog, während ihr Mann auf dem Platz stand und später als Nationalspieler unterwegs war. Öffentlich aufgetreten ist sie in dieser Zeit kaum. Ein Foto vom 7. September 2008, aufgenommen bei einer Traditionsveranstaltung im Hamburger Schmitz Tivoli, zeigt sie neben ihrem Mann. Es bleibt eine der wenigen dokumentierten Aufnahmen von ihr aus fast zwei Jahrzehnten.


Stationen von Sergej Barbarez in der Bundesliga:

  • Hannover 96 (1991 bis 1993)
    1. FC Union Berlin (1993 bis 1996)
  • Hansa Rostock (1996 bis 1998)
  • Borussia Dortmund (1998 bis 2000)
  • Hamburger SV (2000 bis 2006)
  • Bayer Leverkusen (2006 bis 2008, Karriereende)

Zwei Söhne, zwei unterschiedliche Wege

Ana und Sergej Barbarez haben zwei Söhne, Filip-André, geboren 1994, und Sergio-Luis, geboren 1999. Beide wuchsen in Hamburg auf.

Filip-André trat in die Fußstapfen seines Vaters und spielte zuletzt für den SC Nienstedten in der sechstklassigen Landesliga Hamburg-Hammonia, deutlich unterhalb der Bühne, auf der sein Vater einst stand. Über Sergio-Luis ist öffentlich kaum etwas bekannt. Das bosnische Boulevardmedium Express.ba berichtete im November 2025, dass Ana Barbarez ihre Söhne bewusst abseits des öffentlichen Interesses großgezogen hat und selbst nie im Rampenlicht stehen wollte.


Warum der Name Barbarez gerade wieder überall auftaucht

Im April 2024 übernahm Sergej Barbarez die bosnische Nationalmannschaft. Der Start verlief holprig: In seinen ersten acht Spielen als Nationaltrainer testete er 20 verschiedene Spieler, ohne einen einzigen Sieg zu holen, wie die Sportschau berichtet.

Was danach folgte, überraschte selbst erfahrene Beobachter. Bosnien und Herzegowina setzte sich in den entscheidenden Playoff-Spielen gegen Wales und Italien durch und qualifizierte sich damit für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, wie ZDFheute im Vorfeld des Turniers analysierte. Es war erst die zweite WM-Teilnahme des Landes als eigenständiger Staat, nach 2014.

In der Gruppenphase traf Bosnien auf Co-Gastgeber Kanada, die Schweiz und Katar. Nach dem Ende der Gruppenspiele belegte die Mannschaft von Sergej Barbarez zwar nur den dritten Platz, erreichte damit aber als eine der besten Gruppendritten die Runde der letzten 32, wie UEFA.com bestätigt, der bislang weiteste WM-Weg der bosnischen Fußballgeschichte.

Kapitän der Mannschaft ist der inzwischen 40 Jahre alte Edin Džeko, mit 73 Toren und 150 Länderspielen Rekordtorschütze und Rekordnationalspieler des Landes. Um ihn herum baute Barbarez ein auffällig junges Team auf, mit Spielern wie Tarik Muharemović, Esmir Bajraktarević und Ermin Mahmić, die im Ausland geboren wurden und sich bewusst für Bosnien entschieden, obwohl sie auch für andere Nationalmannschaften hätten spielen können.


Eine Frau ohne ein einziges Interview

Über den Trainer Sergej Barbarez ist inzwischen fast alles dokumentiert: seine Stationen, seine Zitate, seine Entscheidungen als Nationaltrainer, sogar seine Reaktion auf ein Motivationsvideo vor dem entscheidenden Playoff-Spiel gegen Italien. Über seine Frau existiert dagegen kein einziges eigenes Zitat in einem Interview, kein aktiver Social-Media-Auftritt, keine öffentliche Stellungnahme, weder zum Krieg, den sie miterlebt hat, noch zur Fußballkarriere, die ihr halbes Leben begleitet hat, noch zum größten sportlichen Erfolg ihres Mannes.

Diese Konsequenz über mehr als 30 Jahre ist kein Zufallsprodukt aus Zurückhaltung. Sie hätte, gemessen an dem, was um sie herum passiert ist, jederzeit Anlass und Gelegenheit gehabt, öffentlich zu werden. Ana Barbarez hat sich dagegen entschieden, und zwar durchgehend, während sich fast alles andere in dieser Geschichte veränderte.

Dennis Luft
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Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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