Gianna Collina: Wer ist die Frau von Pierluigi Collina?

Über Pierluigi Collina, den bekanntesten Schiedsrichter der Fußballgeschichte, gibt es Bücher und unzählige Interviews. Über seine Frau Gianna findet man im Netz vor allem eines: denselben unbelegten Text, kopiert von Seite zu Seite, mit einem erfundenen Geburtsdatum und einer geschätzten Vermögenssumme, die niemand belegen kann.

Was sich dagegen tatsächlich nachweisen lässt, stammt aus offiziellen Verbandsdokumenten, italienischen Zeitungsarchiven und einem einzigen Interview, das ihre Stimme jemals direkt zeigt. Diese Belege zeichnen ein deutlich präziseres Bild, als es jede der kursierenden Biografien kann.



Ihr Name sorgt für Verwirrung, aus gutem Grund

In der Presse und in sozialen Medien wird sie fast immer Gianna genannt, die vertraute Kurzform ihres Vornamens. Im offiziellen Schiedsrichter Curriculum des italienischen Verbands AIA steht dagegen ihr vollständiger Name: Giovanna Bertolini.

Diese Schreibweise taucht ein zweites Mal auf, in einer völlig anderen Quelle. Eine Wirtschaftsrecherche der Tageszeitung Il Giornale aus dem Jahr 2009 über die Geschäftsbeziehungen mehrerer Schiedsrichter mit einem gemeinsamen Steuerberater erwähnt, dass ein Großteil der Anteile an einer Firma von Pierluigi Collina auf den Namen seiner Frau eingetragen war, Giovanna Bertolini. Bei Ehepaaren ist das eine gewöhnliche steuerliche Konstruktion, nichts Ungewöhnliches. Bemerkenswert ist nur, dass zwei unabhängige Quellen denselben Namen nennen.

Gianna ist also die Kurzform für den Alltag und die Presse. Giovanna Bertolini ist ihr Name vor der Heirat. Beide bezeichnen dieselbe Frau.

1988 in der Versilia: Wie alles begann

Mehrere unabhängige italienische Quellen, darunter die Zeitung La Nazione und das Curriculum des Schiedsrichterverbands, stimmen in einem Punkt überein. Pierluigi traf seine spätere Frau 1988 in der Versilia, jener Küstenregion der Toskana zwischen Viareggio und Forte dei Marmi. Das Paar zog später nach Viareggio, wo Collina ab 1991 auch beruflich tätig war.

Die beiden Töchter heißen Francesca Romana und Carolina. Diese Namen sind für eine derart zurückhaltende Familie ungewöhnlich gut dokumentiert, sie stehen unabhängig voneinander im AIA Curriculum und in einem biografischen Eintrag des Portals biografieonline.it. Über ihr heutiges Leben ist öffentlich nichts bekannt, was zur generellen Zurückhaltung der Familie passt.

Das Geschäft an der Promenade: ihr einziges Interview

Ein Interview mit ihr selbst zu finden, gelingt kaum. Es gibt genau einen dokumentierten Fall, in dem sie mit eigenen Worten zitiert wird, im Juni 2002, während der Fußball Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan.

Sie sprach damals mit einem Reporter der Nachrichtenagentur Adnkronos über ihr eigenes Geschäft, Lo Scrigno, einen Schmuckladen auf der Strandpromenade von Viareggio, den sie zu diesem Zeitpunkt schon seit mehr als zwanzig Jahren führte. Im Sortiment fanden sich Schmuckstücke im ethnisch amerikanischen Stil, gefertigt aus Silber und Türkis. Ihre Leidenschaft für diese Stücke sei stärker als ihre Liebe zum Fußball, sagte sie dem Reporter, doch verfolge sie die Spiele ihres Mannes trotzdem aufmerksam, schließlich telefoniere sie fast täglich mit ihm.

18 Jahre später, im Dezember 2020, bestätigte die Regionalzeitung La Nazione unabhängig davon, dass Collina seine Verbindung zu Viareggio auch über das Geschäft seiner Frau auf der Promenade gewonnen habe. Zwei Zeitungen, fast zwei Jahrzehnte Abstand, dieselbe Tatsache.

Die Falschmeldung aus Armenien

Im Dezember 2019 geriet Pierluigi ungewollt in eine Falschmeldung. Armenische Medien berichteten, er habe illegal ein Kind aus Armenien adoptiert. Er reagierte direkt gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA und nannte den Bericht absurd. Dabei erwähnte er auch seine Frau, in einem einzigen Satz: Er und sie hätten eine Adoption nie in Erwägung gezogen.

Das armenische Justizministerium bestätigte kurz darauf, dass Collina nie einen Antrag auf Adoption eines armenischen Kindes gestellt hatte, und nannte die Verbreitung solcher Meldungen rechtlich und moralisch nicht hinnehmbar. Ihr Name taucht in dieser Geschichte nur in einem Nebensatz ihres Mannes auf, nicht in einer eigenen Aussage. Das ist der typische Rahmen, in dem sie öffentlich vorkommt.

Was sich nicht belegen lässt

Wer online nach ihrem Geburtsdatum, ihrer Religion oder einer Vermögensschätzung sucht, findet zahlreiche Treffer. Keine dieser Angaben lässt sich durch eine nachprüfbare Quelle stützen. Mehrere Biografie Webseiten verwenden fast identische Formulierungen, ohne eine einzige Quelle zu nennen, ein deutliches Zeichen für unbelegte, teils automatisiert erstellte Inhalte.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Kategorien ist entscheidend. Was sich auf ein offizielles Dokument, eine Zeitung oder eine Nachrichtenagentur zurückführen lässt, etwa ihr Name, ihr Geschäft, die Aussage zur Adoption, gehört in eine Biografie. Was lediglich von einer Webseite auf die nächste kopiert wurde, ohne dass jemand eine Quelle nennt, gehört nicht hinein, egal wie oft es wiederholt wird.

Sie selbst hat ihr gesamtes Erwachsenenleben damit verbracht, nicht im Rampenlicht zu stehen, während ihr Mann zu einer der bekanntesten Figuren im Weltfußball wurde. Aktuell leitet Pierluigi Collina als Chef der FIFA Schiedsrichterkommission die Vorbereitung der Unparteiischen für die laufende Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Seine Frau bleibt davon unberührt, so wie sie es all die Jahre zuvor gehalten hat.

Wer also wissen will, wer Gianna Collina ist, bekommt eine kürzere Antwort als die meisten Webseiten suggerieren, aber eine genauere. Giovanna Bertolini führte ihr Schmuckgeschäft in Viareggio bereits seit über zwanzig Jahren, als sie 2002 davon erzählte, und ist seit 1988 mit Pierluigi Collina zusammen. In der Stadt ist sie bekannt. In eigenen Worten ist sie öffentlich kaum je zitiert worden, abgesehen von jenem einen Gespräch.

Dennis Luft
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Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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