Netflix hat den Starttermin für eine neue Dokumentation über Michael Schumacher bestätigt: den 2. Oktober. Corinna Schumacher spricht darin zum zweiten Mal seit dem Unfall ihres Mannes vor einer Kamera, diesmal über die frühen Jahre der Beziehung. Wie genau sie mit einem solchen Anlass umgeht, zeigt sich schon an ihrer eigenen Hochzeit, mehr als drei Jahrzehnte zuvor.
Am 1. August 1995 sollte in Kerpen-Manheim die standesamtliche Hochzeit von Michael und Corinna Schumacher stattfinden. Wegen des Andrangs von Fans und Presse wäre der Termin an diesem Morgen beinahe abgesagt worden. Am Abend fand die Zeremonie doch noch statt. Vier Tage später folgte die kirchliche Trauung in der Kapelle des Gästehauses der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn, weitgehend abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Manager Willi Weber hatte die exklusiven Bildrechte an eine Illustrierte verkauft, der Erlös ging nach Berichten an einen wohltätigen Zweck.
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Was die neue Dokumentation zeigt
In der neuen Produktion geht es um das Jahr 1994: den ersten WM-Titel von Michael Schumacher bei Benetton, die tödlichen Unfälle von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger in Imola und die Manipulationsvorwürfe, die den jungen Fahrer damals begleiteten. Regie führt Christin Freitag, produziert von LEONINE Documentaries. Neben Corinna Schumacher kommen unter anderem Bernie Ecclestone, Flavio Briatore, Willi Weber, Kai Ebel, Heiko Waßer und David Coulthard zu Wort. Michael Schumacher selbst ist nur in Archivaufnahmen zu sehen.
Der Skiunfall im Dezember 2013
Am 29. Dezember 2013 verunglückte Michael Schumacher beim Skifahren in Méribel in den französischen Alpen und erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Es folgten Monate im künstlichen Koma und eine längere Rehabilitation, bevor er im September 2014 in das gemeinsame Zuhause der Familie in Gland am Genfersee zurückkehrte. Seitdem hat die Familie kaum Details zu seinem Gesundheitszustand veröffentlicht.
Zwei Versuche, diese Zurückhaltung zu brechen
Im April 2023 veröffentlichte die Zeitschrift „Die Aktuelle“ ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes, komplett erfundenes Interview mit Michael Schumacher. Die Familie klagte dagegen, im Mai 2024 sprach ihr ein Münchner Gericht rund 200.000 Euro Schmerzensgeld zu.
Im Februar 2025 verurteilte ein Gericht in Wuppertal drei Männer, die versucht hatten, mit gestohlenen Fotos, Videos und digitalisierten Krankenunterlagen der Familie 15 Millionen Euro zu erpressen.
Einer der Verurteilten hatte zuvor als Sicherheitsmitarbeiter für die Familie gearbeitet.
Was trotzdem öffentlich bleibt
Neben alledem läuft ein anderer Teil des Familienlebens komplett offen: der Pferdesport. Corinna Schumacher, heute 57 Jahre alt, war selbst früher Turnierreiterin, bevor sie sich auf Zucht und Westernreiten spezialisierte. Sie gilt heute als eine der bekanntesten Westernreiterinnen Europas und gewann 2010 die Europameisterschaft im Reining. Heute betreibt sie die CS Ranch im schweizerischen Givrins und die XCS Ranch im texanischen Gordonville.
Ihre Tochter Gina Schumacher tritt öffentlich unter dem Namen ihrer Mutter an. Sie hat einen eigenen Instagram-Account mit mehreren hunderttausend Followern und veröffentlicht ihre Turniererfolge über den amerikanischen Reitsportverband NRHA teils auf den Dollar genau. Über den finanziellen Status der Familie insgesamt kursieren dagegen bis heute stark unterschiedliche Zahlen, von wenigen Millionen bis über 600 Millionen Euro, ohne dass eine davon offiziell bestätigt wäre.
Erst 2021, jetzt 1994
Es ist erst der zweite Auftritt von Corinna Schumacher vor einer Kamera seit dem Unfall. 2021 sprach sie in der Netflix-Dokumentation „Schumacher“ zum ersten Mal öffentlich über die Zeit danach und sagte sinngemäß, Michael sei noch da, nur anders. Der Satz wird seither in Berichten über die Familie immer wieder aufgegriffen. Der Film erschien im September 2021, zum 30. Jahrestag von Michael Schumachers Formel-1-Debüt.
Zwei Auftritte sind eine kleine Stichprobe. Aber die Reihenfolge fällt auf: 2021 ging es um die Jahre nach dem Unfall. Der neue Film spielt 1994, ein Jahr vor der Hochzeit in Kerpen-Manheim, mit der dieser Text begonnen hat. Es ist die Zeit, bevor diese Ehe überhaupt bestand.
Kein persönlicher Anlass diesmal
Die bisherigen öffentlichen Auftritte von Corinna Schumacher waren an konkrete Daten gebunden. Im Januar 2019 meldete sie sich kurz vor dem 50. Geburtstag ihres Mannes mit einer seltenen Facebook-Nachricht zu Wort. Auch die Dokumentation von 2021 erschien zu einem runden Jubiläum. Für die neue Produktion lässt sich kein vergleichbarer familiärer Anlass finden. Netflix-Managerin Katja Hofem stellte den Film vor wenigen Tagen in Berlin vor, als Teil eines Programms, das sie selbst als das bisher ambitionierteste Jahr des Senders in Deutschland bezeichnete.
Bei den beiden früheren Anlässen bestimmte offenbar die Familie den Zeitpunkt. Diesmal richtet er sich nach dem Programm eines Streaming-Diensts. Ob das etwas daran ändert, wie offen sie diesmal spricht, zeigt sich erst am 2. Oktober, wenn der Film bei Netflix startet.

