Hanspeter Sinner: Wer Jannik Sinners Vater wirklich ist

Im Juni 2024 spielte Jannik Sinner das French-Open-Finale gegen Carlos Alcaraz. Sein Vater war nicht da. Nicht wegen einer Krankheit, nicht wegen eines Notfalls. Hanspeter Sinner konnte an diesem Tag keinen Urlaub nehmen. Er war Koch und arbeitete in Südtirol, während sein Sohn in Paris das wichtigste Spiel des Jahres bestritt.

Kaum ein Moment beschreibt diesen Mann treffender.



Wer ist Hanspeter Sinner?

Vollständiger NameJohann „Hanspeter“ Sinner
Bekannt alsVater von Jannik Sinner
BerufKoch (über 40 Jahre)
HeimatortSexten, Südtirol, Italien
EhefrauSiglinde Sinner (geb. Rauchegger)
SöhneMarc Sinner, Jannik Sinner
Frühere ArbeitsstätteTalschlusshütte, Val Fiscalina

Hanspeter Sinner, bürgerlich auch Johann Sinner, ist der Vater von Jannik Sinner, dem amtierenden Weltranglistenersten im Tennis. Er stammt aus Sexten, einem Ort im Hochpustertal in Südtirol, wo rund 92 Prozent der knapp 2.000 Einwohner Deutsch als Muttersprache sprechen. Über vier Jahrzehnte arbeitete er als Berufskoch, davon viele Jahre auf der Talschlusshütte im Fischleintal. Seine Frau Siglinde, geborene Rauchegger, arbeitete dort als Kellnerin. Heute führt sie eine Pension in Sesto Pusteria. Die Familie hat zwei Söhne: Marc, der 1998 aus Russland adoptiert wurde und heute als Ausbilder bei der Feuerwehr in Südtirol arbeitet, und Jannik, geboren am 16. August 2001 in Innichen.


Koch in den Dolomiten: Jahrzehnte auf der Talschlusshütte

Die Talschlusshütte liegt auf 1.548 Metern Höhe im Fischleintal, am Eingang des Naturparks Drei Zinnen, mitten im UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten. Dort kochte Hanspeter den Großteil seines Berufslebens. Gambero Rosso International, eine der renommiertesten Kulinarikpublikationen Italiens, porträtierte seine Küche: ein Ragù mit Speck, Zucchini, Auberginen und Pilzen; Porcini-Risotto mit Kräutern aus dem Fischleintal; der sogenannte „Alpinisten-Teller“ aus Canederli, Schweinefilet, Gulaschsauce und Kraut.

Seine Kochphilosophie: saisonale Zutaten, kein Abfall, Respekt vor dem Rohprodukt. Über die schlichte Kartoffel sagte er einmal: „Nichts wird weggeworfen.“

Seit ungefähr 2023 reist Hanspeter regelmäßig mit Janniks Tourteam. Das südtirolische Sportportal SportNews.bz berichtete im April 2023 als eines der ersten Medien darüber: Der Vater koche persönlich für seinen Sohn und das gesamte Coaching-Team bei den großen Turnieren.


Der Fußballtrainer des AFC Sexten

Was selbst viele Tennisfans nicht wissen: Neben seiner Arbeit auf der Hütte trainierte Hanspeter Sinner in seiner Freizeit die Jugendmannschaft des AFC Sexten. Jannik spielte in dieser Mannschaft.

Der Junge hatte Talent, aber er spielte kaum Mitspieler an. Er dribbelte, und dribbelte, und blieb auf dem Ball. Einmal, mitten im Spiel, wechselte Hanspeter seinen eigenen Sohn aus und sagte ihm an der Seitenlinie:

„Hier spielt man nicht allein.“

Tennis Magazin, das renommierte deutschsprachige Fachmagazin, bestätigte diese Episode. Der damalige AFC-Vereinspräsident hatte sie gegenüber der Corriere della Sera geschildert. Wenige Jahre später entschied sich Jannik für den einzigen großen Sport, in dem man tatsächlich immer allein spielt.


Wie Jannik Sinner zum Tennisspieler wurde

Jannik begann mit sieben Jahren Tennis zu spielen, weil sein Vater den Sport liebte. Das hält das offizielle ATP-Profil bis heute fest. Dann hörte er ein Jahr lang auf. Hanspeter drängte ihn zurück. Weil beide Eltern täglich auf der Talschlusshütte arbeiteten, war es Janniks Großvater, der ihn früh morgens zum Tennis San Giorgio fuhr, wo Heribert Mayr sein erster Trainer wurde.

Mit 13 Jahren entschied Jannik, Sexten zu verlassen und allein nach Bordighera an die Ligurische Riviera zu ziehen, um beim Trainer Riccardo Piatti zu trainieren. Für eine Familie, die täglich auf einer Berghütte arbeitete, war das keine leichte Entscheidung. Hanspeter und Siglinde ließen ihn gehen. Jannik sprach nach seinem ersten Grand-Slam-Titel in Melbourne 2024 darüber:

„Ich wünschte, jeder hätte solche Eltern wie ich. Sie haben mich immer selbst entscheiden lassen. Sie haben mir nie Druck gemacht. Das ist vielleicht der Schlüssel, warum ich heute hier stehe.“


Zweimal geredet: Der vollständige Redebeitrag von Hanspeter Sinner

Tennis Majors hielt im Mai 2026 fest: Jannik Sinners Vater hat der Presse genau zweimal etwas gesagt, beide Male im Jahr 2024. Seitdem kein einziges Statement.

Das erste Mal: nach dem Australian Open 2024, im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport.

„Große Freude, wirklich schön. Wir haben nach dem Finale kurz miteinander gesprochen. Ich kann sagen, dass man mehr leidet, wenn man ihn im Fernsehen schaut. Als Kind war er genauso, schon genauso gut in allen Sportarten wie in seinem Beruf.“

Zu Janniks Worten bei der Siegerehrung sagte er:

„Seine Worte haben mich nicht überrascht. So ist er. Er hat früh die Kultur der Arbeit, der Ernsthaftigkeit und der Demut gelernt.“

Das zweite Mal: rund um Wimbledon 2024, gegenüber der spanischen Zeitung El País. Er versuche ruhig zu bleiben, weil Tennismatches manchmal sehr lang dauern könnten.

Das ist der vollständige öffentliche Redebeitrag von Hanspeter Sinner.


In der Coaches-Box, immer hinten

Bei Turnieren sitzt Hanspeter in der Coaches-Box, immer hinten, nie in der ersten Reihe. Er klatscht still, wenn ein Punkt gut war. Jannik beschrieb es selbst:

„Manchmal schaue ich sie während der Spiele an. Meine Mutter ist sehr angespannt, mein Vater ist sehr ruhig.“

Beim Finale der Nitto ATP Finals 2024 in Turin, als Jannik Taylor Fritz besiegte, waren Hanspeter, Siglinde und Marc im Stadion. Beim Italian Open 2026 in Rom saßen beide Eltern wieder auf der Tribüne. Nach dem Sieg gegen Alexei Popyrin zog Jannik in der Pressekonferenz eine Grenze, die er öffentlich selten so klar formuliert hatte:

„Ich versuche, meine Familie zu schützen. Das ist für mich das Wichtigste. Wenn sie auf mich zukommen, kein Problem. Aber wenn ich sehe, dass sie meine Familie angehen, das stört mich. Weil ich weiß, dass das Menschen sind, die keine Aufmerksamkeit suchen.“


Was Hanspeter Sinner ausmacht

Viele Eltern im Profisport haben aus dem Erfolg ihrer Kinder eine eigene Geschichte gebaut. Hanspeter Sinner hat in einer Berghütte gekocht, nebenbei eine Dorfmannschaft trainiert und seinen Sohn mit 13 Jahren allein in die Welt geschickt, weil er erkannte, dass Sexten zu klein war für das, was Jannik werden würde. Kein Presseauftritt, kein Management-Gespräch, keine eigene Agenda.

Janniks mentale Ruhe auf dem Platz, die Coaches und Gegner gleichermaßen beeindruckt, hat konkrete Wurzeln: im Fischleintal, in einer Küche auf 1.548 Metern, bei einem Vater, der beim French-Open-Finale 2024 nicht dabei sein konnte, weil er keinen freien Tag hatte.

Das ist Hanspeter Sinner.

Dennis Luft
Dennis Lufthttps://newszentral.de/
Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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