Erbstreit um Jean-Paul Belmondo
Am 9. September 2021 ging Florence Belmondo im Ehrenhof des Pariser Invalidendoms hinter dem Sarg ihres Vaters, an der Hand ihres jüngeren Bruders Paul. Heute klagt die zweite Tochter von Jean-Paul Belmondo gemeinsam mit ihrer Halbschwester Stella gegen ihn. Es geht vor allem um eine Immobilienfirma und eine Villa auf der Karibikinsel Antigua.
Seit mehr als vierzig Jahren lebt Florence im Westen der USA, heute in einer Kleinstadt in Oregon, und hält sich aus der Öffentlichkeit heraus. Die Schwestern werfen Paul vor, er habe zu Lebzeiten des Vaters Vermögen bekommen und es bei der Erbteilung verschwiegen. Paul Belmondo bestreitet das. Fünf Jahre nach dem Tod des Schauspielers, den die Franzosen Bébel nannten, hat noch kein Gericht in der Sache entschieden. Am 7. Oktober eröffnet die Cinémathèque française in Paris eine große Ausstellung über ihn.
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Paul zog zum Vater, Florence blieb bei der Mutter
Belmondo hatte mit der Tänzerin Élodie Constantin drei Kinder: Patricia, Florence und Paul. Mitte der Sechzigerjahre trennte sich das Paar, 1968 wurde die Ehe geschieden, und die Mutter ging mit den Kindern nach England. Als Paul 13 war, zog er zum Vater nach Paris. Die Schwestern blieben bei der Mutter. Stella, das vierte und jüngste Kind, kam erst 2003 zur Welt, in Belmondos zweiter Ehe mit Natty Tardivel.
Florence arbeitete als Model, bevor sie Europa verließ. Im Dezember 1979 brachte Paris Match ihre Hochzeit auf den Titel. Auf dem Foto posierte Belmondo stolz neben der Braut in Weiß, darüber stand „Belmondo marie sa fille“ (Belmondo verheiratet seine Tochter). In drei Minuten vor der Bibel sei Florence Belmondo zu Madame Andrews geworden, schrieb das Heft. Sie war kaum zwanzig und zog mit ihrem amerikanischen Mann nach Seattle, für den Geschmack des Vaters etwas zu weit weg. Die Ehe wurde später geschieden.
In den Achtzigerjahren heiratete sie den Geschäftsmann Chris Waters. Mit ihm hat sie drei Kinder: Annabelle (1988), die heute als Model arbeitet, Christopher (1993) und Nicholas (1997).
| Name | Florence Belmondo |
|---|---|
| Geboren | 3. Juni 1960, manche Quellen nennen 1959 |
| Eltern | Jean-Paul Belmondo und Élodie Constantin |
| Geschwister | Patricia (1993 gestorben) und Paul, dazu die Halbschwestern Stella (väterlicherseits) und Charlotte Joly (mütterlicherseits) |
| Ehemann | Chris Waters |
| Kinder | Annabelle, Christopher, Nicholas |
| Wohnort | Oregon, USA |
Das Geld aus Antigua
Seit Anfang der Siebzigerjahre besaß Belmondo auf Antigua eine Villa, in der die Familie ihre Sommer verbrachte. Auf der Insel gründete er außerdem die Firma New Century Development, die Luxusresidenzen am Meer vermietet.
1993 starb Patricia bei einem Brand in ihrer Pariser Wohnung. Danach habe Belmondo aufgehört, seine Kinder laufend zu unterstützen, erzählte ein Vertrauter der Familie im Oktober 2024 dem Magazin Paris Match. Stattdessen habe er Florence und Paul Häuser und Wohnungen in Paris überschrieben und sich das Nutzungsrecht vorbehalten. Nach seinem Schlaganfall 2001 hielten die beiden Geschwister zusammen. Sie wollten den Vater, so der Vertraute, vor Menschen abschirmen, die es auf sein Vermögen abgesehen hätten.
Von allen Geschwistern habe Paul wohl am engsten mit dem Vater gelebt, schreibt das Magazin. 2004 übernahm er die Firma auf Antigua, die lange ein Freund des Schauspielers geführt hatte. Nach Darstellung des Vertrauten sollte er die Gewinne mit seiner Schwester teilen. Paul habe das Geld aber nur tröpfchenweise weitergegeben und Florence mit ein paar tausend Euro ausgeholfen, wenn sie darum gebeten habe. Die Villa gehört heute ebenfalls Paul, ihr Wert liegt nach Schätzung von Paris Match bei rund 14 Millionen Euro.
Der Abschied vom Vater
Jean-Paul Belmondo starb am 6. September 2021 mit 88 Jahren. Florence meldete sich als Erste aus der Familie zu Wort. Auf Instagram teilte sie einen Satz, der Victor Hugo zugeschrieben wird: „Tu n’es plus là où tu étais, mais tu es partout là où je suis“ (Du bist nicht mehr, wo du warst, aber überall, wo ich bin). Auch bei der Totenmesse in der Kirche Saint-Germain-des-Prés am Tag nach der Trauerfeier war sie an der Seite von Paul und Stella. Wenige Tage später schloss sie ihr Instagram-Konto, weil sie Anonymität brauche, wie sie zum Abschied schrieb.
Stellas erste Klage traf Florence
Der erste Streitpunkt war eine Lebensversicherung über rund zwei Millionen Euro, die Belmondo 1994 abgeschlossen hatte. Stella steht die Hälfte zu, Paul 40 Prozent und Florence zehn Prozent. Das berichtete das Portal L’Informé, das den Konflikt im Oktober 2024 aufdeckte. Warum Belmondo seiner Tochter Florence den kleinsten Anteil zudachte, ist nicht bekannt. Rechtlich ist die Aufteilung zulässig, weil eine Lebensversicherung in Frankreich außerhalb des Nachlasses ausgezahlt wird.
Im Sommer 2023 zog Stella vor Gericht. In einem Eilverfahren gegen ihre Geschwister und den Notar verlangte sie, die Versicherungssumme einzufrieren, und warf Florence vor, vom Vater zahlreiche verdeckte Schenkungen erhalten zu haben. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die Paris Match vorliegen.
Florence unterstützte den Antrag, das Geld einzufrieren. In demselben Verfahren warfen beide Schwestern Paul vor, Vermögen des Vaters verschwiegen zu haben. Im Herbst 2024 wies das Gericht die Anträge zurück und verpflichtete Stella, 3.000 Euro Kosten zu erstatten. Die Vorwürfe gegen Paul seien nach derzeitigem Stand durch die vorgelegten Unterlagen nicht belegt, befand das Gericht.
Am 13. September 2024 starb die Mutter Élodie Constantin mit 90 Jahren. Bei ihrer Beerdigung hielten Florence und Paul Abstand zueinander, berichtete das Magazin.
Wo Florence Belmondo heute lebt
Kurz darauf standen zwei Reporter von Paris Match vor Florences Haus in Oregon. Es liegt in einer Neubausiedlung, ein paar Schritte von einem Schnellrestaurant und einer Tankstelle entfernt, und ist laut dem Immobilienportal Zillow rund 600.000 Dollar wert. Florence öffnete selbst und war überrascht. Sie wusste, weshalb die Besucher aus Paris gekommen waren, und sagte zur Sache nur einen Satz.
„La vie privée, ça coûte cher.“
Florence Belmondo gegenüber Paris Match, Herbst 2024
Wörtlich bedeutet das „Privatleben ist teuer“. Die Reporter verstanden den Satz so, dass Florence ihren Anteil am Erbe einfordert, ihre Ruhe ihr aber wichtiger ist als alles andere. Sie bot an, zurückzurufen, sobald sie mit ihrem Anwalt gesprochen habe. Der Anruf kam nicht. Paul ließ die Journalisten per SMS wissen, er wolle derzeit kein Interview geben, es handle sich um eine private Angelegenheit.
Worum es in dem Prozess geht
Seit 2025 klagen Florence und Stella gemeinsam in einem Hauptsacheverfahren, berichtete das Wirtschaftsmagazin Capital. Anfangs setzten die Schwestern die umstrittenen Werte mit mehr als 100 Millionen Euro an. Seit Le Canard enchaîné im Juli 2025 über Konten in der Schweiz schrieb, ist von rund 130 Millionen Euro die Rede. Das werfen sie Paul vor:
- Er habe vom Vater die Hälfte von New Century Development bekommen. Die gesamte Firma schätzt Florence auf 93 Millionen Euro. Sie legte eine Erklärung von 2006 vor, in der Paul ihr die Hälfte eines Verkaufserlöses zugesagt haben soll.
- Er habe außerdem rund 40 Millionen Euro verschwiegen, die 2024 auf Konten der Firma bei fünf Schweizer Banken gelegen hätten.
- Die Übertragung der Villa an Paul sei eine verdeckte Schenkung gewesen, sagt Stella.
- In den Achtzigerjahren habe Paul Anteile an Belmondos Produktionsfirma Cerito Films im Wert von rund zehn Millionen Euro erhalten, sagt Florence.
Paul Belmondo weist alle Vorwürfe zurück. Für die Firmenanteile verweist er auf einen Übertragungsvertrag. Die Anteile an Cerito Films stammten nach seiner Darstellung von seinem Großvater, dem Bildhauer Paul Belmondo. Nach Artikel 778 des französischen Code civil verliert ein Erbe, der Vermögen vor den Miterben verschweigt, jeden Anspruch darauf und muss die Erträge seit dem Todestag herausgeben. Dafür müssen die Klägerinnen ihm Absicht nachweisen.
Fünf Jahre danach
Im September 2025 nahm die Familie im Krematorium des Pariser Friedhofs Père-Lachaise Abschied von Alain Belmondo, dem älteren Bruder des Schauspielers, der mit 93 Jahren gestorben war. Paul kam mit seinen drei Söhnen, auch Stella und Florences Tochter Annabelle waren da, Florence selbst fehlte.
Im Mai 2026 sprach Paul Belmondo mit Paris Match Belgique über den Erbstreit der Kinder von Alain Delon. Traurig mache ihn vor allem, dass solche Konflikte in der Presse landeten. Über die eigene Familie sagte er: „Wir selbst haben Probleme, aber wir versuchen, dass es in der Familie bleibt.“
Am 7. Oktober eröffnet die Cinémathèque française die Ausstellung „Belmondo, le Magnifique“ und zeigt bis Ende Januar 35 Filme mit Jean-Paul Belmondo. Für den Begleitkatalog hat Paul Belmondo erstmals die Familienarchive geöffnet.

