Carolin Reiber wird am 2. November 86 Jahre alt. Es ist ihr dreizehnter Geburtstag ohne ihren Mann Luitpold Maier. Der Unternehmensberater und frühere Deutsche Meister im Fünfkampf war mehr als 51 Jahre mit ihr verheiratet. Er starb im Januar 2014 in Grünwald.
Im Fasching 1958 gab die Illustrierte Quick einen Ball im Münchner Haus der Kunst. Die 17-jährige Carolin Reiber war zum ersten Mal auf einem Ball. Sie ging als Blumenmädchen, Luitpold Maier als Cowboy. Der 27-Jährige, den sie Poldi nannte, startete als Leichtathlet für den TSV 1860 München und war drei Jahre zuvor Deutscher Meister im Fünfkampf geworden.
Gut eine Woche nach seinem Tod erzählte Carolin Reiber der Münchner tz von diesem Abend. „Nach einer halben Stunde wusste er, dass er mich heiraten will“, sagte sie. „Bei mir ging es nicht ganz so schnell.“
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Deutscher Meister im Fünfkampf
Auch das erzählte sie damals: „Poldi hatte weit vor mir schon eine Autogrammkarte.“ Seinen Titel hatte Maier im August 1955 bei den Deutschen Meisterschaften im Frankfurter Waldstadion gewonnen. Der Fünfkampf bestand damals aus Weitsprung, Speerwurf, 200-Meter-Lauf, Diskuswurf und 1500-Meter-Lauf.
Bei denselben Meisterschaften holte er außerdem Bronze im Speerwurf. Im Juli 1958, ein paar Monate nach dem Ball, wurde er in Hannover mit 74,48 Metern Deutscher Vizemeister.
Hochzeit in Solln
Bis zur Hochzeit dauerte es gut vier Jahre. Beim Quick-Ball steckte Carolin Reiber noch in einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin für Spanisch und Englisch. 1960 fing sie als Ansagerin beim Bayerischen Rundfunk an.
Im Sommer 1962 heirateten die beiden in der evangelischen Apostelkirche in München-Solln. Der BR berichtete über die Hochzeit seiner jungen Ansagerin, und den Beitrag kann man bis heute in der ARD Mediathek ansehen.
Die Jahre in Grünwald
Mit den Jahren wurde aus dem Sportler mit der Autogrammkarte vor allem der Mann von Carolin Reiber. Sie moderierte jahrzehntelang Volksmusiksendungen im ZDF, darunter die „Volkstümliche Hitparade“.
Er selbst war promovierter Diplom-Kaufmann und arbeitete weltweit als Unternehmensberater. Nach seinem Tod schrieb die tz, er habe seine Frau zu ihren Auftritten begleitet, wann immer es ging, und sei stolz auf sie gewesen. So zeigen Fotos das Paar im Juli 2006 bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele.
Seit den 60er-Jahren wohnten die zwei in Grünwald südlich von München. Ihre Söhne Marcus Luitpold und Luitpold Maximilian tragen beide den Vornamen des Vaters. 2012 feierten Maier und seine Frau Goldene Hochzeit.
Woran Luitpold Maier starb
Gut drei Jahre vor seinem Tod, noch vor der Goldenen Hochzeit, war Maier an einem Aneurysma der Hauptschlagader operiert worden. Von dem lebensgefährlichen Eingriff erholte er sich nie ganz. In den letzten Monaten wurde er immer schwächer, und zuletzt kam eine Lungenentzündung hinzu, die zum Herzversagen führte.
Carolin Reiber pflegte ihn mehr als ein halbes Jahr lang zu Hause, denn im Krankenhaus sollte er nicht sterben. Außerhalb der Familie wusste niemand, wie schlecht es um ihn stand. Für den BR moderierte sie in dieser Zeit weiter die „Bayerntour“. Später sagte sie dazu: „Die Freude teilt man gern, den Kummer nicht.“
Am Sonntag, dem 26. Januar 2014, starb ihr Mann gegen acht Uhr morgens daheim in Grünwald, in ihren Armen. Er wurde 83 Jahre alt. „Dass er zu Hause einschlafen konnte, das würde sich jeder wünschen“, sagte sie kurz darauf. Für den letzten Weg zog sie ihn selbst an und faltete ihm die Hände. „Auf einmal kann man alles.“
Beerdigung auf dem Waldfriedhof
Vier Tage später wurde Maier auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt, im alten Grab der Familie seiner Frau. Auf dem Stein stehen schon die Namen ihrer Großeltern und Eltern. Die Beerdigung fand auf seinen Wunsch im Familienkreis statt. Gespielt wurde seine Lieblingsmusik: „I Walk the Line“ von Johnny Cash und der „Liebestraum“ von Franz Liszt.
Am 3. Februar erschien die Traueranzeige in der Süddeutschen Zeitung. „Du fehlst uns so sehr“, steht darin. Unterschrieben ist sie mit „Deine Carolin“, danach folgen die Söhne, die Schwiegertöchter und die Enkelkinder. „Es ist ein Abschied“, sagte Carolin Reiber damals. „Aber man muss dankbar sein, dass wir uns so lange haben durften.“
Was sie seither über ihn gesagt hat
Im September 2014 kam sie zu einem Treffen vor dem Oktoberfest in den Hofbräukeller. Am Dirndl trug sie frischen Hopfen. „Die Familie meines Mannes kommt aus der Hallertau“, erzählte sie der Bild-Zeitung. „Dort hab ich den Hopfen heute Nachmittag frisch geschnitten.“ Über die Zeit seit seinem Tod sagte sie: „Es geht mir gut, Stück für Stück besser.“
Im Oktober 2020 bekam sie den Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises und erinnerte in ihrer Dankesrede an ihren Mann. Zu ihrem 80. Geburtstag wenige Wochen später sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: „Ich hatte den wunderbarsten Mann der Welt.“
| Zur Person | Dr. Luitpold Maier |
|---|---|
| Geboren | 1. Mai 1930 |
| Gestorben | 26. Januar 2014 in Grünwald |
| Beruf | Diplom-Kaufmann, Unternehmensberater |
| Sport | Leichtathletik beim TSV 1860 München |
| Titel | Deutscher Meister im Fünfkampf 1955 |
| Ehe | mit Carolin Reiber, von 1962 bis zu seinem Tod |
| Kinder | zwei Söhne |
| Grab | Waldfriedhof München |
Nicht zu verwechseln mit dem fränkischen Heimatforscher Luitpold Maier (1887 bis 1967) aus Herzogenaurach.

