Helga Anders spielte in den Sechzigerjahren die Lore in „Die Unverbesserlichen“ und war eine der beliebtesten jungen Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen. Vor gut 40 Jahren, im März 1986, starb die gebürtige Tirolerin mit 38 Jahren in Haar bei München. Offiziell hieß es Herzversagen, ihr Verlobter Jürgen Draeger sprach dagegen später von einer Überdosis.
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Mit 13 neben Heinz Rühmann
Sie kam am 11. Januar 1948 als Helga Scherz zur Welt. Ihr Vater war Skilehrer, und nach der frühen Trennung der Eltern wuchs sie bei der Mutter auf, erst in Ruhpolding, dann in Bielefeld-Brackwede. In Brackwede, wo die Mutter als Kellnerin im Ratskeller arbeitete, wurde sie Helgi genannt. Ihre Lehrerin Grete Gehrmann und deren Mann, der Schauspieler Hans Gehrmann, verschafften ihr am Bielefelder Stadttheater die Kinderrolle des Heinerle in der Operette „Der fidele Bauer“.
Danach lebte sie am Tegernsee, spielte dort Bauerntheater und in München an der Kleinen Komödie. Für „Max, der Taschendieb“ stand sie im Herbst 1961 als Filmtochter von Heinz Rühmann vor der Kamera. Als der Film im März 1962 in die Kinos kam, war sie 14 und wurde in der Besetzung noch als „Helgi Anders“ geführt.
Den Durchbruch brachte das Fernsehen. Als Lore, Filmtochter von Inge Meysel, war sie von 1965 bis 1967 in den ersten drei Filmen der Reihe „Die Unverbesserlichen“ zu sehen. Parallel spielte sie in der Familienserie „Der Forellenhof“ und übernahm die Hauptrolle in der Pferdeserie „Ferien in Lipizza“. Bei der Leserwahl der „Bravo“ bekam sie 1967 den Otto in Gold als beliebtester weiblicher Fernsehstar, noch vor ihrer Filmmutter Meysel.
Fürs Kino drehte sie „Mädchen, Mädchen“; der erste Spielfilm des Fotografen Roger Fritz lief im Januar 1967 an. Für die Rolle der Angela erhielt sie das Filmband in Gold als beste Nachwuchsdarstellerin. Schon in seiner Kritik zum Filmstart hatte der „Spiegel“ die Figur „die Lolita“ genannt. Mit Fritz bekam sie im selben Jahr in München eine Tochter. Die beiden heirateten, und Fritz besetzte sie auch in „Häschen in der Grube“ (1969) und „Mädchen mit Gewalt“ (1970); 1974 wurde die Ehe geschieden.
Die Stimme von Pinocchio
Nach der Scheidung habe sie „hart zu trinken“ begonnen, schrieb der „Spiegel“ in seinem Nachruf. Neben der Schauspielerei arbeitete sie ab Mitte der Siebzigerjahre als Synchronsprecherin und sprach bis zu ihrem Tod rund 75 Rollen. Dazu gehörten:
- Pinocchio in der gleichnamigen Zeichentrickserie, die das ZDF ab September 1977 zeigte
- Olga in Dario Argentos Horrorfilm „Suspiria“ (1977)
- Susi im elften „Schulmädchen-Report“ (1977), gespielt von Sandra Atia
- der Hamster Krümel in der Zeichentrickserie „Nils Holgersson“
- Ornella Mutis Odette in Volker Schlöndorffs „Eine Liebe von Swann“ (1984)
Vor der Kamera hatte sie 1972, mit 24, im „Kommissar“ noch eine Schülerin gespielt.
„Ich bin eine Frau über Dreißig, aber für meine Produzenten immer noch ein 18jähriger Brigitte-Bardot-Verschnitt mit Schmollmund. Das kann nicht gutgehen.“
Helga Anders, zitiert im „Spiegel“-Nachruf vom 7. April 1986
Wen wollte Helga Anders heiraten?
Ihr Verlobter war der Berliner Maler und Schauspieler Jürgen Draeger. Die beiden kannten sich seit Ende der Sechzigerjahre; 1968 spielten sie in Marran Gosovs Film „Zuckerbrot und Peitsche“ mit.
Die Berliner „B.Z.“ berichtete im Mai 1979, wie Fotos, die Draeger eher zum Spaß von ihr gemacht hatte, zu einer Filmrolle führten. Über ihre Münchner Agentin kamen die Bilder zu Federico Fellini, der sie seinem Freund Mario Monicelli zeigte. Monicelli besetzte sie daraufhin in seiner Komödie „Hurricane Rosie“ („Temporale Rosy“, 1980) als Charlotte, an der Seite von Gérard Depardieu. Einen zweiten italienischen Film, den er ihr noch für 1979 in Aussicht stellte, drehte sie nicht.
„Vielleicht sind die Fotos deshalb so gut gelungen, weil ich Helga mehr als zehn Jahre lang kenne. Bei mir gab sie sich unverkrampft.“
Jürgen Draeger in der „B.Z.“, Mai 1979
Wie Draeger später schrieb, war sie damals vor allem wegen ihrer Drogensucht in den Schlagzeilen; er begleitete sie durch eine Entziehungskur und verliebte sich dabei in sie. Im Sommer 1980 verlobten sich die beiden in Venedig und planten die Hochzeit in Berlin, zu der es bis zu ihrem Tod nicht mehr kam.
Die letzten Fernsehrollen
In der Internatsgeschichte „Der Trotzkopf“, 1983 als ARD-Serie gesendet, spielte sie die Lehrerin Fräulein Güssow. Das ZDF zeigte sie am 15. November 1985 in der „Ein Fall für zwei“-Folge „Blutsbande“. Auch für Franz Xaver Bogners bayerische Kultserie „Irgendwie und Sowieso“ drehte sie noch; die Folge „Manhattan“ mit ihr lief erst am 27. November 1986, acht Monate nach ihrem Tod.
Woran starb Helga Anders?
Die Schauspielerin starb am Ostermontag, dem 31. März 1986, mit 38 Jahren in Haar bei München, offiziell an Herzversagen. Eine Woche später schrieb der „Spiegel“, „Alkohol und Tabletten und wohl auch ihre Umgebung“ hätten sie ruiniert.
Jürgen Draeger, mit dem sie fast sechs Jahre verlobt war, schrieb auf seiner Website, sie sei „nach einer Überdosis von Alkohol und Rauschgift in der Nervenheilanstalt in Eglfing-Haar“ gestorben. Gemeint ist die psychiatrische Klinik in Haar.
Sie wurde in Gmund am Tegernsee begraben, nicht weit von dort, wo sie als Mädchen gelebt hatte. Auf dem Grabstein stand „Helga Anders-Fritz“; inzwischen ist das Grab aufgelöst.
Tochter Leslie Fritz
Ihre Tochter Tatjana Leslie Fritz stand 1986 in „Schafkopfrennen“ selbst vor der Kamera und arbeitete als Regieassistentin, unter anderem bei „Wackersdorf“ (2018) und „Der Club der singenden Metzger“ (2019).
Gestorben sind in den vergangenen Jahren der frühere Verlobte ihrer Mutter und ihr Vater: Jürgen Draeger im Dezember 2020 mit 80 Jahren in Berlin, Roger Fritz im November 2021 mit 85 Jahren in München, an einer Hirnblutung.
Ihre Filme heute
Die Berlinale zeigte im Februar 2025 in ihrer Retrospektive erstmals die restaurierte Fassung von „Mädchen mit Gewalt“, 55 Jahre nach der Kinopremiere. Helga Anders spielt darin Alice, eine junge Frau, die in einer Kiesgrube vergewaltigt wird; die Musik stammt von der Band Can. Als der Film 1970 anlief, verriss ihn der „Spiegel“ als Rückschritt „zu den sicheren Kassen-Rapporten des reaktionären Kommerz-Kinos“. Im Berlinale-Programm hieß es 2025, er sei „dystopischer als feministisch getönte ‚Rape and revenge‘-Fantasien späterer Jahre. Aber auch realistischer.“
Schon 2006 hatte das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt ihr und Roger Fritz die Ausstellung „Zwischen uns beiden“ samt Filmreihe gewidmet und sie als „Kinderstar“ und „Muse des Neuen Deutschen Films“ vorgestellt. Mehrere ihrer Filme mit Fritz hat das Label Subkultur seit 2015 in seiner „Edition Deutsche Vita“ neu herausgebracht, „Häschen in der Grube“ 2023 auch in einer 4K-Fassung.
Zur Person
| Name | Helga Anders, geboren als Helga Scherz |
|---|---|
| Geboren | 11. Januar 1948 in Innsbruck (andere Angaben: Schwaz) |
| Gestorben | 31. März 1986 in Haar bei München |
| Todesursache | offiziell Herzversagen |
| Beruf | Schauspielerin, Synchronsprecherin |
| Bekannt aus | „Die Unverbesserlichen“, „Der Forellenhof“, „Ferien in Lipizza“, „Mädchen, Mädchen“ |
| Auszeichnungen | Filmband in Gold 1967, Bravo-Otto in Gold 1967 |
| Ehe | mit Roger Fritz, geschieden 1974 |
| Verlobt | ab 1980 mit Jürgen Draeger |
| Tochter | Tatjana Leslie Fritz, geboren 1967 |
| Grab | Gmund am Tegernsee, inzwischen aufgelöst |
| Filmografie | filmportal.de |

