Am 16. Juli 2019 stand Marie Poccolin zum letzten Mal vor den Kameras der Bildagenturen, beim Sommerempfang des Bayerischen Landtags auf Schloss Schleißheim, neben ihrem langjährigen Partner Arthur Brauss. Danach ist keine weitere gemeinsame Aufnahme dokumentiert. Als sie sechs Jahre später wieder öffentlich in Erscheinung trat, ging es um seinen Tod.
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Vier Jahrzehnte auf denselben Gästelisten
Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden bereits über vier Jahrzehnte gemeinsam unterwegs. Die früheste Aufnahme des Paares stammt vom April 1980. Im Januar 1982 wurden sie beim Filmball im Münchner Hotel Mathäuser fotografiert, am selben Abend wie das Schauspielerpaar Horst und Hella Janson.
Danach zieht sich eine Reihe fest datierter Termine durch die Archive der Münchner Bildagenturen:
- Mai 2003: Benefizveranstaltung von Children for a better World in München
- November 2004: Beim Prominenten-Kinder-Singen zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts fuhren die beiden gemeinsam Karussell
- November 2010: Roter Teppich beim Corine Buchpreis
- Juli 2013: White Night beim Kaiser Cup in Bad Griesbach
- April 2014: Charity-Termin der EAGLES auf der BMW Driving Academy in Maisach
- März 2015: ndf after work im Münchner Parkcafé
- Mai 2015: Gala zum 25-jährigen Jubiläum von „Ein Schloß am Wörthersee“ in Velden, am Tisch mit Horst und Hella Janson
- März 2016: NDF-Treff, erneut im Parkcafé
- Juli 2016: EAGLES-Sommerfest auf der Dachterrasse des Upside East in München
Brauss hielt sich von roten Teppichen weitgehend fern. Bei den Terminen, zu denen er ging, war sie fast immer dabei. In den Bildunterschriften wurde sie über die Jahre unterschiedlich geführt, mal als Lebensgefährtin, mal als Ehefrau, mal als Gattin. In Presseberichten wird sie als Schauspielerin bezeichnet. Eine Rolle oder Produktion nennt keine dieser Meldungen.
Die Hochzeit nach fünfzig Jahren
Verheiratet waren die beiden all die Jahre nicht. Das änderte sich erst 2024, als Brauss 88 Jahre alt war. Geheiratet wurde nach ihren eigenen Worten „ganz still“. Es gab keine Ankündigung, kein Hochzeitsfoto und keine Meldung dazu.
Erfahren hat die Öffentlichkeit davon erst ein Jahr später. Als Marie Poccolin im August 2025 den Tod ihres Mannes bestätigte, erwähnte sie die Hochzeit gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit. t-online machte daraus die Überschrift „Ein Jahr nach der Hochzeit“.
Die letzten Jahre in München-Schwabing
Über vier Jahrzehnte lebte das Paar in München-Schwabing. Wie es dem Schauspieler nach 2019 ging, hat seine Frau später selbst beschrieben: Er sei zuletzt sehr geschwächt gewesen und rund um die Uhr gepflegt worden.
Arthur Brauss starb am 29. August 2025 in der gemeinsamen Wohnung. Sie saß an seinem Bett und hielt seine Hand, wie Bild berichtete. Am 31. August wandte sie sich an die dpa. Ihre Worte dort sind die einzigen von ihr, die öffentlich überliefert sind:
„Er ist ganz friedlich eingeschlafen. Das ist mein einziger Trost: Dass er sich nicht quälen musste.“
Brauss wurde 1936 in Augsburg geboren, war 1954 deutscher Jugendmeister im Stabhochsprung und wurde später als Polizeihauptmeister Richard Block im „Großstadtrevier“ bekannt. Seine Filmografie umfasst über 190 Film- und Fernsehproduktionen.
Der Abschied auf dem Westfriedhof
Die Traueranzeige erschien am 31. Oktober 2025 in der Süddeutschen Zeitung. Unterzeichnet ist sie mit „In Liebe, Marie Helene Pocolin-Brauss, im Namen aller Angehörigen“. Als Text wählte sie eine Passage von Antoine de Saint-Exupéry über die Stille.
Beigesetzt wurde Arthur Brauss am Montag, dem 3. November 2025, um 12.45 Uhr auf dem Westfriedhof München. Zwischen Todestag und Beisetzung lagen gut neun Wochen.
Am 24. Juli 2026 wäre der Schauspieler 90 Jahre alt geworden, am 29. August 2026 jährte sich sein Todestag zum ersten Mal. Auf der Gedenkseite der Süddeutschen zündete an beiden Tagen ein Leser namens Wilfried Latos eine Kerze an.
Was über Marie Poccolin offen bleibt
Zwei Fragen lassen sich anhand der verfügbaren Quellen nicht beantworten:
- Kinder: In über vier Jahrzehnten Berichterstattung wird kein gemeinsames Kind erwähnt.
- Alter: Ein Geburtsdatum wurde nie veröffentlicht, auch nicht in der Traueranzeige.
Ein Interview hat Marie Poccolin in all den Jahren nicht gegeben. Dokumentiert sind gut ein Dutzend Aufnahmen an der Seite von Arthur Brauss, ihre Sätze gegenüber der dpa und die Anzeige in der Zeitung, die sie unterschrieben hat.

