Sie hat einen Wirtschaftsabschluss mit Auszeichnung, im Gespräch ist sie aber vor allem als Ehefrau eines Radprofis.
Oumaïma Rayane ist die Ehefrau des belgischen Radprofis Remco Evenepoel, der in diesem Sommer bei der Tour de France mit Rang zwei das beste Ergebnis seiner Karriere erzielte. Interviews gibt sie der Presse nur selten, wie das belgische Portal DHnet berichtet. Öffentlich äußert sie sich vor allem auf Instagram, meist dann, wenn sie direkt betroffen ist: von rassistischen Kommentaren nach ihrer Hochzeit, von Vorwürfen eines Fernsehjournalisten oder von ihrer Abschlussfeier.
Inhaltsverzeichnis
Oumaïma Rayane im Überblick
| Geboren | 28. Dezember 1999 |
| Herkunft | Schepdaal (Dilbeek), Belgien, marokkanische Wurzeln |
| Ausbildung | Master in Wirtschaftswissenschaften, Schwerpunkt Finanzen |
| Ehemann | Remco Evenepoel, Radprofi bei Red Bull-BORA-hansgrohe |
| Verheiratet seit | 7. Oktober 2022 |
Aufgewachsen in Schepdaal
In Schepdaal, einem kleinen Ort in der Gemeinde Dilbeek in Flämisch-Brabant, wohnten die Familien Rayane und Evenepoel in derselben Straße. Kennengelernt haben sich Oumaïma und Remco trotzdem erst mit 17 Jahren, kurz nachdem er seine Fußballkarriere beendet hatte, um sich ganz dem Radsport zu widmen. Seit dem 7. Oktober 2017 sind sie ein Paar. Zwei Jahre später trennten sie sich für rund einen Monat, nachdem Evenepoel ohne Absprache einen Umzug nach Monaco geplant hatte. Der Plan wurde fallengelassen, sie fanden wieder zueinander.
Evenepoel machte ihr am 30. Dezember 2021 einen Heiratsantrag. Geheiratet haben die beiden fünf Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Tag, am 7. Oktober 2022, standesamtlich in Dilbeek. Zwei Tage zuvor hatte auf Schloss Herpelgem in Kluisbergen eine marokkanische Henna-Feier stattgefunden. Nach der Hochzeit zog das Paar in ein Haus nahe Alicante, wo Evenepoel einen Großteil seines Trainings absolviert. Zuhause bleibt für beide aber Belgien: „Wir sind sehr gerne in Belgien, bei unserer Familie und unseren Freunden. Es fühlt sich hier immer wie Nachhausekommen an“, sagte Evenepoel im April 2026 über das Leben zwischen beiden Ländern.
Nach den Hochzeitsfotos
Vor der Hochzeit sei kaum jemandem aufgefallen, dass sie aus Marokko stammt, erzählte Rayane später dem niederländischsprachigen Magazin Story. Viele hätten sie für Italienerin oder Spanierin gehalten. Nach den Hochzeitsfotos änderte sich das. Ihre Herkunft war, wie sie selbst sagte, „auf einmal ein großes Ding“.
Rassistische Kommentare in sozialen Netzwerken folgten, vor allem in einer Facebook-Gruppe aus Evenepoels Heimatstadt mit rund 25.000 Mitgliedern.
Ein schwerer Sturz und die Reha
Schon 2023 zeigte sich, wie sehr Rayane ihn durch schwierige Phasen trägt. Nach seiner coronabedingten Aufgabe als Spitzenreiter beim Giro d’Italia sagte Evenepoel dem Schweizer Portal Blick: Sie halte ihn „ruhig und cool“ und habe geholfen, sein früher als arrogant beschriebenes Auftreten zu ändern.
Deutlich schwerer wog ein Trainingsunfall im Dezember 2024. Am 3. Dezember kollidierte Evenepoel in Oetingen mit der sich öffnenden Tür eines Postwagens. Er erlitt Rippenbrüche, ein gebrochenes Schulterblatt, eine gebrochene Hand, eine ausgekugelte Schulter sowie Prellungen an beiden Lungenflügeln. Noch am Folgetag musste er operiert werden.
Rayane praktiziert den muslimischen Glauben. In den Monaten der Reha betete Evenepoel eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit ihr. Sein Comeback bei der Brabantse Pijl im April 2025 war zugleich sein erstes Rennen nach der Verletzung. Offen sprach er damals darüber: „Für mich ist es ein Halt, etwas, das mir hilft, durchs Leben zu gehen. Es ist wunderschön, das mit Oumi teilen zu können.“
Vorwürfe im Fernsehen
Die Anfeindungen, die mit den Hochzeitsfotos begonnen hatten, rissen auch 2025 nicht ab. Nach dem Comeback lief es sportlich nicht sofort rund: Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich Ende April 2025 landete Evenepoel nur auf Platz 59, ein Ergebnis, das die Stimmung in der Facebook-Gruppe zusätzlich anheizte. In derselben Zeit deutete der Sportjournalist Ruben Van Gucht in der Sendung „De Afspraak“ an, Evenepoel unterstütze mit seinen Preisgeldern heimlich die Familie seiner Frau. Evenepoel nannte die Behauptung „völlig absurd“: Seine Frau stamme aus einer wohlhabenden Familie, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet habe.
Sein Vater Patrick kündigte gegenüber dem Sender VRT juristische Schritte an: „Es geht nicht mehr um den Sportler, sondern um unser Kind.“ Er rief dazu auf, rassistische Beiträge zu melden, und bestätigte, den juristischen Dienst der Familie eingeschaltet zu haben.
Oumaïma Rayane reagierte am 2. Mai 2025 in einer Instagram-Story, zunächst mit einem Foto und der Bildunterschrift „My work outfit“, dann mit einer direkten Antwort an Van Gucht: „Denk daran, dass du nichts über mein Leben weißt. Ich zeige dir nicht einmal ein Prozent davon.“
Wenige Wochen später, beim Critérium du Dauphiné im Juni 2025, entdeckten Journalisten eine neue Tätowierung an Evenepoels rechtem Handgelenk: ihren Namen, in arabischer Schrift.
Neben dem Radsport
Im September 2025 äußerte sie sich öffentlich zur Rad-WM im ruandischen Kigali, einem Austragungsort, der wegen der politischen Lage im Land in der Kritik stand. Sie habe vor der Reise an eine Hilfsorganisation gespendet, schrieb sie, und unterschied klar zwischen der ruandischen Bevölkerung und der Regierung des Landes.
Etwa eine Woche später erhielt sie auf dem Brüsseler Grand-Place ihren Master in Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Finanzen, mit Auszeichnung. Der 7. Oktober 2025 war zugleich der Tag, an dem sie acht Jahre zuvor mit Evenepoel zusammengekommen und drei Jahre zuvor geheiratet hatte. An diesem Tag bestimmte niemand außer ihr selbst das Thema. In ihrer Ankündigung auf Instagram beschrieb sie, wie sie in Hotelzimmern, auf Flügen und während seiner Höhentrainingslager lernte, weil sich ihr Alltag komplett um seine Karriere drehte. Sie dankte ihren Eltern und Gott und richtete zum Schluss Worte an Studierende, denen ein Abschluss verwehrt bleibt, insbesondere in Palästina.
Wo die Geschichte gerade steht
Im April 2026 äußerte sich das Paar erstmals konkret zur Familienplanung. Kinder, sagte Evenepoel, kämen eher gegen Ende seiner Karriere. Aktuell genieße man noch die Freiheit, spontan gemeinsam reisen zu können.
Bei der Tour de France im Juli 2026 erzielte Evenepoel das bislang beste Ergebnis seiner Karriere: Rang zwei hinter Tadej Pogačar, dazu ein Etappensieg im Zeitfahren am belgischen Nationalfeiertag. Rayane, die das Rennen mit ihren Schwiegereltern verfolgte, sagte danach beim Sender VTM: „Er hat den Belgiern ein schönes Geschenk gemacht, ich hoffe, sie werden endlich hinter ihm stehen.“ Wenige Tage später bestätigte Patrick Evenepoel erneut gegenüber der Presse, dass die Drohungen gegen seine Schwiegertochter und ihre Familie trotz des Erfolgs nicht aufgehört hatten.
Mitte August, nach Evenepoels viertem Sieg bei der Clásica San Sebastián, reisten beide für einen Kurztrip nach Salzburg. Zur Vorbereitung auf die Rad-WM Ende September in Montreal trainiert Evenepoel derzeit gemeinsam mit Mathieu van der Poel im italienischen Livigno. Zu den Drohungen gegen ihre Familie hat sie sich bislang nicht öffentlich geäußert.

