Ramona Wulf wurde in den siebziger Jahren als Sängerin von Silver Convention weltbekannt, vor allem durch den Nummer-eins-Hit „Fly, Robin, Fly“ aus dem Jahr 1975. Im Juni 2025 steht sie in München noch einmal mit ihren früheren Bandkolleginnen Penny McLean und Linda G. Thompson auf einer Bühne. Was an diesem Abend leicht untergeht: Den Song, mit dem ihre gemeinsame Geschichte begann, hatte zu Beginn keine der drei live gesungen.
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Wer ist Ramona Wulf?
Geboren wurde sie am 18. Oktober 1954 in Hanau, unter dem Namen Ramona Kraft. Ihre Mutter war Deutsche, ihr Vater ein afroamerikanischer US-Soldat, stationiert in Hessen in der Nachkriegszeit. Sie wuchs zunächst in Pflegefamilien auf und wurde später dauerhaft adoptiert. Zu ihrer amerikanischen Familie hatte sie nie Kontakt, Englisch lernte sie erst im Verlauf ihrer Karriere.
International bekannt wurde sie als Teil von Silver Convention, jener Discogruppe, die mit „Fly, Robin, Fly“ als eine der wenigen deutschen Produktionen ihrer Zeit die Spitze der amerikanischen Billboard-Charts erreichte. Bevor sie zu dieser Gruppe kam, hatte sie allerdings bereits eine eigene, kleinere Karriere hinter sich.
Vom Talentwettbewerb zur ZDF-Hitparade
1969 nimmt Ramona an einem Talentwettbewerb in ihrer Heimatstadt Hanau teil. Es folgt eine erste Single, dann im Mai 1970 der Auftritt, der ihr Leben verändert: Sie tritt in der ZDF-Hitparade auf, mit dem Song „Du, ich brauche was und das bist du“, geschrieben für sie vom britischen Songwriter Chris Andrews. Das Publikum wählt sie gleich zweimal wieder.
Ihren größten Soloerfolg feiert sie 1971 mit „Alles was wir woll’n auf Erden“, das Platz 8 der deutschen Charts erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist sie ein klassischer Schlagerstar, jung, freundlich, fürs Familienfernsehen gemacht.
Silver Convention: Eine Studioband bekommt ein Gesicht
1974 wechselt sie zu Jupiter Records, dem Label von Produzent Ralph Siegel. Zur gleichen Zeit entsteht in München ein völlig anderes Projekt, erdacht von den Produzenten Michael Kunze und Sylvester Levay. Der Name Silver Convention geht auf Levays Spitznamen „Silver“ zurück.
Silver Convention war zunächst kein festes Ensemble. Die ersten Aufnahmen entstanden mit wechselnden Studiosängerinnen, ohne feste Besetzung und ohne Absicht, jemals auf Tour zu gehen. Erst als die Single „Save Me“ zum Hit wurde, brauchte das Projekt Menschen, die es im Fernsehen und auf der Bühne vertreten konnten. Die Wahl fiel auf drei Sängerinnen: Ramona Wulf, Penny McLean und Linda G. Thompson. Kurz zuvor war bereits Jackie Carter auf einigen frühen Singlecovern zu sehen gewesen, wurde aber noch vor den ersten Liveauftritten durch Penny McLean ersetzt.
„Fly, Robin, Fly“ und der Grammy für ein Lied mit Gesang
Im September 1975 erscheint „Fly, Robin, Fly“ als dritte Single des Albums „Save Me“. Der Song erreicht Platz 1 der US-Billboard-Charts. 1976 gewinnt er sogar einen Grammy, allerdings in der Kategorie Best R&B Instrumental Performance, obwohl der Song einen klaren, sich wiederholenden Gesangspart hat. Diese Einordnung wird bis heute als kleine Musikkuriosität genannt.
Ein Jahr später folgt mit „Get Up and Boogie“ der nächste große Erfolg der Gruppe, live unter anderem im ZDF gezeigt. Für die Sängerin bedeutet dieser Erfolg vor allem eines: Sie ist ab jetzt öffentlich das Gesicht eines Projekts, das ursprünglich nie für Gesichter gedacht war.
Eurovision 1977: Der einzige Auftritt von Silver Convention
1977 vertritt Silver Convention Deutschland beim Eurovision Song Contest in London mit dem Titel „Telegram“, der einzige Eurovision-Auftritt der Gruppe. Der Wettbewerb war in jenen Jahren stark vom klassischen Schlager geprägt, Silver Convention brachte mit ihrem Eurodisco-Sound einen deutlich anderen Ton auf die Bühne. Die Gruppe belegt Platz 8, zugleich der letzte Einstieg der Band in die deutschen Top 30.
Die Besetzung wechselt, sie bleibt
Was in vielen Kurzporträts untergeht: Silver Convention war über die Jahre kein festes Trio, sondern ein Projekt mit ständig wechselnder Besetzung.
| Zeitraum | Besetzung |
|---|---|
| 1974 bis Ende 1976 | Ramona Wulf, Penny McLean, Linda G. Thompson |
| Ende 1976 | Thompson verlässt die Gruppe, Rhonda Heath kommt dazu |
| 1977/78 | McLean verlässt die Gruppe, Zenda Jacks übernimmt |
| 1979 | McLean kehrt für die letzte Single zurück |
Durch alle diese Wechsel hindurch bleibt eine Sängerin durchgehend dabei: Ramona Wulf. Jede ihrer Kolleginnen verließ die Gruppe zwischenzeitlich oder endgültig. Sie blieb von der ersten Liveauftritt-Besetzung bis zur Auflösung 1979.
Die Solojahre, die kaum jemand kennt
Nach dem Ende der Gruppe 1979 verschwindet sie nicht einfach von der Bildfläche, auch wenn genau dieses Bild in vielen Kurzbiografien vermittelt wird. Tatsächlich arbeitet sie noch fast ein weiteres Jahrzehnt an einer zweiten Karriere:
- 1979: Zusammenarbeit mit Produzent Horst Hornung, Coverversion von Celi Bees Discohit „Boomerang“
- 1980: zweites englischsprachiges Soloalbum „Shake What Yo‘ Mama Give Ya“, Single „Thank You Baby“, Gastauftritt bei Hornungs Projekt Dada, Duett mit Chris Roberts
- Dezember 1980: Heirat mit Horst Hornung
- 1983: deutsche Version von Irene Caras „What a Feeling“ aus dem Film „Flashdance“, unter dem Titel „Flashdance (Tanz im Feuer)“, arrangiert von ihrem früheren Silver-Convention-Produzenten Sylvester Levay
- 1986: Comeback-Album „Strip to the Heart“, veröffentlicht unter dem Künstlernamen „Ramona“ bei Sixx Records
Kommerziell erreicht keines dieser Projekte die früheren Erfolge. Die Liste zeigt trotzdem: Sie hat ihre Karriere nach Silver Convention nicht aufgegeben, sondern nur leiser fortgesetzt.
Auftritte bis heute
Silver Convention trat mit der klassischen Besetzung mehrfach im deutschen Fernsehen wieder auf, unter anderem 1983, 1987 und im Jahr 2000. 2018 gab die Sängerin einem britischen Radiosender ein englischsprachiges Interview über ihre Zeit mit der Gruppe. Verwandt mit dem früheren Bundespräsidenten Christian Wulff ist sie nicht, ihr Nachname wird nur mit einem F geschrieben, seiner mit zwei.
Im Juni 2025 dann noch einmal die Bühne in München, gemeinsam mit Penny McLean und Linda G. Thompson, fünfzig Jahre nach ihrem gemeinsamen Durchbruch. Von den drei Frauen, die Silver Convention einst ihr Gesicht gaben, ist Ramona Wulf die einzige, die in jeder Besetzung der Bandgeschichte dabei war. Sie ist auch die einzige, die an diesem Abend auf drei verschiedene Jahrzehnte der eigenen Karriere zurückblicken konnte.
Quellen:

