Teri Tordai wurde als Terry Torday zum deutschen Kinostar

Teri Tordai wurde in Ungarn mit dem Kossuth-Preis geehrt, der höchsten Kunstauszeichnung des Landes. In Deutschland und Österreich kennt man dieselbe Frau unter einem anderen Namen, Terry Torday, aus einer sechsteiligen Filmreihe, die in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern in den Kinos lief. Beide Karrieren gehören zur gleichen Biografie. In den meisten Porträts taucht aber immer nur eine davon auf.



Kindheit in Eger und der Weg zur Schauspielschule

Geboren wurde sie am 28. Dezember 1941 in Debrecen. Wegen der Bombenangriffe im Krieg zog die Familie zur mütterlichen Großmutter nach Eger. Dort begann auch ihre Ballettausbildung, mit der zunächst niemand eine Schauspielkarriere im Sinn hatte. Sie besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Eger und wollte, wie sie in späteren Interviews erzählte, eigentlich unterrichten.

Ein Vortragsabend änderte diesen Plan. Der Schauspieler Gáti József wurde auf sie aufmerksam und riet ihr, sich an der Schauspielhochschule in Budapest zu bewerben. Sie wurde angenommen und schloss 1964 in der Klasse von Pártos Géza ab, gemeinsam mit späteren Kolleginnen wie Judit Halász und Ilona Béres. Die Bühnenlaufbahn begann am Nationaltheater Szeged, schon 1965 wechselte sie ins Ensemble des Nemzeti Színház in Budapest.

Die weiteren Theaterstationen im Überblick:

  • Nemzeti Színház Budapest, festes Ensemblemitglied ab 1965
  • József Attila Színház, seit 1986
  • Újszínház Budapest, ihre aktuelle künstlerische Heimat

Terry Torday, der Name hinter den Wirtin-Filmen

Parallel zur Bühnenkarriere begann in Westdeutschland und Österreich eine zweite, komplett eigenständige Laufbahn. 1965 stand sie erstmals für einen deutschen Film vor der Kamera, für „Ferien mit Piroschka“, und spielte darin, mit einer gewissen Ironie, eine Deutsche in Ungarn.

Den eigentlichen Durchbruch brachte die Zusammenarbeit mit Regisseur Franz Antel. Zwischen 1967 und 1973 spielte sie in sechs Filmen durchgehend die Gastwirtin Susanne Delberg, unter dem Namen Terry Torday. Laut filmportal.de gehört diese Rolle zu den prägenden Figuren des deutschsprachigen Unterhaltungskinos jener Jahre. moviepilot.de beschreibt sie als über Jahre hinweg gut beschäftigte Darstellerin in deutschen und österreichischen Sexfilmkomödien, in einer Zeit, in der ihr ungarischer Name im deutschsprachigen Raum kaum bekannt war.

Zu den bekanntesten Titeln der Reihe zählen:

  • Susanne, die Wirtin von der Lahn (1967)
  • Frau Wirtin hat auch einen Grafen (1968)
  • Frau Wirtin hat auch eine Nichte (1969)
  • Frau Wirtin treibt es jetzt noch toller (1970)
  • Frau Wirtin bläst auch gern Trompete (1970)
  • Frau Wirtins tolle Töchterlein (1973)

Daneben stand sie in weiteren deutschen Produktionen vor der Kamera, unter anderem neben Heinz Rühmann in „Der Kapitän“ (1971). In offiziellen ungarischen Rückblicken auf ihre Karriere fehlt diese gesamte Werkphase fast immer.


Wenn Kossuth-Preis und Sexkomödie zur gleichen Biografie gehören

Während sie im deutschsprachigen Raum als Terry Torday bekannt wurde, baute sie in Ungarn parallel eine völlig andere Reputation auf, die des seriösen Charakterfachs. Sie spielte unter Regisseuren wie István Szabó, in dessen Oscar-prämiertem Film „Mephisto“ (1981) sie die Bildhauerin Laura verkörperte, und unter Márta Mészáros. 1985 folgte in Ungarn der Jászai Mari-Preis, die wichtigste Auszeichnung für Theaterschauspieler des Landes.

Die staatlichen Ehrungen kamen danach über Jahrzehnte hinweg regelmäßig dazu:

  • 1985: Jászai Mari-Preis
  • 2011: Aase-Preis
  • 2012: Titel Verdienter Künstler (Érdemes Művész)
  • 2015: Titel Ausgezeichneter Künstler (Kiváló Művész)
  • 2018: Kossuth-Preis
  • 2019: Preis für Budapest
  • 2021: Lebenswerkpreis der Ungarischen Filmakademie sowie Arany Medál Lebenswerkpreis
  • 2023: Gróf Zichy Antónia-Preis

Zur Einordnung: Zwischen der ersten Auszeichnung in Ungarn im Jahr 1985 und den letzten deutschen Kinorollen als Terry Torday liegen weniger als zwanzig Jahre. Beide Karrieren liefen über weite Strecken parallel, nicht nacheinander. Teri Tordai selbst stand dabei nie im Zentrum von Berichten, die beide Seiten zusammen behandelten, die Aufmerksamkeit in Ungarn galt fast ausschließlich der Bühnenarbeit in Budapest.

In der Berichterstattung über die eine Karriere kommt die andere so gut wie nie vor, dokumentiert unter anderem vom Nationalarchiv Ungarns.


Die Fernsehrolle, die ein ganzes Land kennt

Für ein breites ungarisches Publikum ist sie heute vor allem als Fernsehgesicht präsent. Von 2005 bis 2011 spielte sie in der Vorabendserie „Jóban Rosszban“ die Rolle der Haller Sára, insgesamt 229 Folgen lang, und wurde damit für eine ganze Generation zur Fernsehgroßmutter. Der Wechsel von jugendlichen Rollen zu Mutter und Großmutterfiguren gelang ihr auffallend leicht, wie ungarische Medien wiederholt festhielten.

Auch privat ist Familie ein zentrales Thema ihrer Biografie. Ihre Tochter Lili Horváth, geboren 1976, wurde ebenfalls Schauspielerin, beide standen bereits gemeinsam auf der Bühne und vor der Kamera. In Interviews, etwa bei Papageno, spricht sie regelmäßig über ihre Kindheit in Eger und über die Familie als Kraftquelle ihrer langen Karriere.


Wo Teri Tordai heute steht

Mit inzwischen 84 Jahren steht sie weiterhin auf der Bühne des Újszínház. Auch vor der Kamera blieb sie zuletzt aktiv: 2022 übernahm sie eine Rolle im Film „The Grandson“, 2023 folgte ein Auftritt in der ungarischen Produktion „Cat Call“. Im Dezember 2026 wird sie 85 Jahre alt. Noch Ende 2025 erschienen in ungarischen Medien ausführliche Rückblicke auf ihr Lebenswerk, ein Zeichen dafür, dass sie im Kulturbetrieb ihres Landes weiterhin präsent ist.

Diese Rückblicke nennen üblicherweise Theaterpreise, Fernsehserien und Ehrentitel. Die sechs Wirtin-Filme aus den Sechzigern und Siebzigern, mit denen sie im deutschsprachigen Raum bekannt wurde, kommen darin in der Regel nicht vor.

Dennis Luft
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Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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