Katrin Jäger ist mehr als nur Miroslav Nemecs Ehefrau

Katrin Jäger sucht man in den meisten deutschen Medien vergeblich, sobald es um ihre eigentliche Arbeit geht. Im Archiv der Hochschule für Fernsehen und Film München steht hinter einem Filmkredit aus dem Jahr 2016 ein kleiner Klammerzusatz: „ehemals Jäger“. Der Eintrag gehört zu einer Regisseurin, die inzwischen unter dem Namen Katrin Nemec arbeitet und mit Tatort Kommissar Miroslav Nemec verheiratet ist.



Wer ist Katrin Jäger?

Geboren wurde sie 1980, das geht aus ihrer Biografie beim Filmfestival Locarno hervor, wo 2024 einer ihrer Filme im Programm lief. Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:

  • Geboren 1980
  • Studium der Theaterwissenschaft, Neueren Deutschen Literaturwissenschaft und Soziologie an der LMU München, Abschluss als Magister
  • Anschließend Studium der Dokumentarfilmregie an der HFF München
  • Seit 2013 verheiratet mit Schauspieler Miroslav Nemec, gemeinsame Tochter Mila, geboren im Februar 2012
  • Arbeitet als Regisseurin, Autorin und Tonfrau unter dem Namen Katrin Nemec

Diese Fakten beantworten schon einen Großteil dessen, was Leser zu ihrem Namen wissen wollen. Was in den bekannten Artikeln über sie fehlt, ist die eigentliche Filmografie.


Die Filme, die selten erwähnt werden

Mittlerweile stehen drei Dokumentarfilme in ihrer Vita, bei zweien davon führte sie Regie.

„Kurzzeit“ (2007) entstand noch als Abschlussarbeit an der HFF München. Ein 45 minütiger Dokumentarfilm für den Bayerischen Rundfunk, gemeinsam mit ihrer Studienkollegin Katharina Köster geschrieben und inszeniert.

„Vom Lieben und Sterben“ (2016) war der erste größere Schritt danach. Der 84 minütige Dokumentarfilm entstand mit TANGRAM International, der HFF München und dem Bayerischen Rundfunk, gefördert vom FilmFernsehFonds Bayern. Katrin Nemec übernahm Regie, Buch und Ton. Den Kommentar sprach ihr eigener Ehemann Miroslav Nemec, ein Detail, das in den gängigen Berichten über das Paar bislang nicht auftaucht. Der Film gewann 2017 den Deutschen Dokumentarfilmpreis und den Studio Hamburg Nachwuchspreis, 2018 lief er beim Filmfestival Bozen.

„Jenseits von Schuld“ (2024) ist ihr bislang bekanntester Film, wieder gemeinsam mit Katharina Köster realisiert. Er erzählt die Geschichte von Ulla und Dietrich Högel, den Eltern von Niels Högel, einem ehemaligen Krankenpfleger, der wegen des Mordes an mindestens 87 Patienten verurteilt wurde, einer der größten Serienmordfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sechs Jahre lang begleiteten Köster und Nemec das Ehepaar im Alltag und fragten, wie Eltern mit der Liebe zu einem Kind umgehen, das eine solche Schuld auf sich geladen hat. Nach eigener Aussage der Regisseurinnen ging es ihnen dabei ausdrücklich nicht um die Taten selbst, sondern um die Perspektive der Eltern. Der Film lief 2024 in der Semaine de la Critique des Filmfestivals Locarno, beim DOK.fest München und beim Filmfest Oldenburg und erhielt beim Kino Kino Publikumspreis von BR und 3Sat eine Auszeichnung. Im September 2025 zeigte ihn auch das ZDF in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“.

Zwischen dem ersten und dem letzten dieser drei Filme liegen siebzehn Jahre. In den Zeitungsartikeln über Miroslav Nemec und seine Familie kommt diese Filmografie in der Regel nicht vor, dort geht es fast immer um die Ehe.


Vom Hörsaal an der LMU zur Festivalbühne

Bevor sie zur Kamera wechselte, saß Katrin Jäger im Hörsaal der LMU München und studierte Theaterwissenschaft, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Soziologie. Nach dem Magisterabschluss ging sie an die HFF München, um dort Dokumentarfilmregie zu lernen, eine der wenigen spezialisierten Ausbildungen dieser Art in Deutschland.

In diese Zeit fällt auch das Kennenlernen mit Miroslav Nemec. Die beiden trafen sich im Jahr 2000 am Deutschen Theater München, wo Katrin Jäger als Hospitantin arbeitete, eine übliche erste Station für angehende Regisseurinnen. Bis zur Heirat 2013 vergingen dreizehn Jahre, in denen sie parallel ihre Ausbildung und ihre ersten Filmprojekte vorantrieb.


Warum Jäger und Nemec zu zwei unterschiedlichen Bildern führen

Presseartikel über Miroslav Nemec und seine Familie verwenden fast durchgehend den Mädchennamen Jäger, wenn überhaupt von seiner Frau die Rede ist. Festivalprogramme, Filmschulen und Fachmedien wie epd Film führen sie dagegen unter ihrem Ehenamen Nemec, unter dem sie auch beruflich arbeitet. Dadurch entstehen zwei getrennte Archive für dieselbe Person, die in beiden fast nie unter demselben Namen auftaucht.

Wer nur die Klatschspalten kennt, weiß deshalb oft nicht, dass dieselbe Frau, die 2013 heiratete, wenige Jahre später einen der wichtigsten deutschen Dokumentarfilmpreise erhielt.


Zwei Suchergebnisse, eine Person

Wer die Stationen zusammenzählt, findet eine Regisseurin, deren Arbeit sich über fast zwei Jahrzehnte durch Festivalprogramme, Filmschularchive und Fachpublikationen verfolgen lässt, von der Abschlussarbeit an der HFF München bis zur Aufführung in Locarno. In den Artikeln, die sich mit ihrer Ehe befassen, kommen diese Stationen bislang kaum vor.

„Jenseits von Schuld“ lief 2025 weiter auf Festivals, unter anderem beim Budapest International Documentary Festival, beim Filmfest Bremen und in der Auswahl des Max Ophüls Preises. In den Programmheften dieser Festivals steht dabei durchgehend der Name, unter dem Katrin Jäger heute arbeitet: Katrin Nemec.


Quellen:

Dennis Luft
Dennis Lufthttps://newszentral.de/
Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

Weitere Artikel

Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Meistgelesen