Wiesje Heesters gab ihre letzten bekannten öffentlichen Worte am 26. Dezember 2011, am Telefon, zwei Tage nach dem Tod ihres Vaters Johannes Heesters. Das Gespräch mit der österreichischen Tageszeitung ÖSTERREICH dauerte kaum eine Minute. Sie sprach ruhig über den Tod ihres Vaters, bedankte sich für den Anruf und legte auf.
Wer nach ihrem Namen sucht, findet vor allem Fotos von Familienfeiern und einen Satz, der in fast jeder Biografie ihres Vaters wiederholt wird: Tochter des Entertainers, Pianistin in Wien. Was hinter diesem einen Satz steckt, ist selten aufgeschrieben.
Inhaltsverzeichnis
Wer war Wiesje Heesters?
Mit vollem Namen heißt sie Louise Paula Herold-Heesters, geboren am 24. Januar 1931. Sie ist die ältere Tochter des niederländisch-deutschen Schauspielers und Sängers Johannes Heesters und der belgischen Bühnenschauspielerin Louisa Ghijs, die 1930 heirateten. Johannes Heesters trat bis kurz vor seinem Tod im Alter von 108 Jahren auf.
Sie wuchs in Wien auf und besuchte dort das Gymnasium des Institutes Sacré Coeur. Ihre jüngere Schwester ist die Schauspielerin Nicole Heesters, die seit Jahrzehnten in Hamburg lebt und mehrfach für ihre Theaterarbeit ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust.
Vom ORF zur Klavierlehrerin: der berufliche Weg
Anders als ihre Schwester wählte Herold-Heesters keine Bühnenlaufbahn. Ausgebildet als Pianistin und Klavierpädagogin, arbeitete sie Ende der 1950er Jahre zunächst als Regieassistentin beim ORF in Wien. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Raimund kennen.
Nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 1963 gab sie ihre Berufstätigkeit auf und blieb über zwei Jahrzehnte Hausfrau. Erst mit etwa 46 Jahren begann sie, privat wieder Klavier zu üben, ohne zu diesem Zeitpunkt an eine berufliche Rückkehr zu denken. 1984, im Alter von 53 Jahren, nahm sie ihre erste Anstellung seit der Geburt ihrer Tochter an, als Klavierlehrerin an der neu gegründeten Musikschule Perchtoldsdorf.
Der berufliche Weg im Überblick:
- Ausbildung zur Pianistin und Klavierpädagogin in jungen Jahren
- Ende der 1950er Jahre: Regieassistentin beim ORF in Wien
- 1963: Geburt der Tochter, danach über zwei Jahrzehnte ohne Berufstätigkeit
- mit etwa 46 Jahren: private Rückkehr zum Klavierspiel
- 1984, mit 53 Jahren: erste Anstellung als Klavierlehrerin in Perchtoldsdorf
Die Klavierschule in Perchtoldsdorf
1984 unterrichtete sie zum ersten Mal an der frisch gegründeten Musikschule in Perchtoldsdorf, südlich von Wien. Ihre Klasse wuchs innerhalb von zwei Monaten von vier auf 32 Schülerinnen und Schüler.
Aus dieser Anstellung entstand später ihre eigene Schule, die HWH Klavierschule Wiesje Herold-Heesters mit Sitz in der Lohnsteinstraße in Perchtoldsdorf. Der Betrieb ist in mehreren unabhängigen österreichischen Branchenverzeichnissen unter dieser Adresse eingetragen.
Tochter oder Enkelin: eine Verwechslung, die häufig passiert
Wer sich durch Bildarchive und alte Zeitungsberichte arbeitet, stößt schnell auf ein Problem. Neben Wiesje Herold-Heesters trägt auch ihre eigene Tochter, geboren 1963, den Namen Wiesje Herold. In Bildunterschriften von Familienfeiern, etwa zum 105. oder 107. Geburtstag von Johannes Heesters, wird diese jüngere Wiesje als Enkelin geführt, getrennt von ihrer Mutter, die dort als Tochter erscheint.
Beide Frauen sind bei denselben Familienfeiern anwesend, was die Zuordnung in älteren Presseartikeln erschwert. Für eine korrekte Zuordnung lohnt sich der Blick auf den genauen Wortlaut der Bildunterschrift, nicht nur auf den Namen allein.
Das Begräbnis und die Jahre danach
Sechs Tage nach dem Tod ihres Vaters, am 30. Dezember 2011, wurde Johannes Heesters auf dem Nordfriedhof in München beigesetzt. Herold-Heesters war unter den Trauergästen, gemeinsam mit ihrer Schwester Nicole und ihrer Stiefmutter Simone Rethel.
Seitdem sind keine weiteren öffentlichen Auftritte oder Interviews von ihr dokumentiert. Ihr Vater hatte sich zeitlebens öffentlich geäußert, auch zu den wiederkehrenden Fragen zu seinen Auftritten während der NS-Zeit in den Niederlanden. Seine ältere Tochter hat sich dazu, abgesehen von dem einen kurzen Telefonat im Dezember 2011, nie öffentlich geäußert.
Fragen und Antworten zu Wiesje Heesters
Ist Wiesje Heesters mit Nicole Heesters verwandt?
Ja. Nicole Heesters ist ihre jüngere Schwester. Beide sind Töchter von Johannes Heesters und Louisa Ghijs.
Was hat sie beruflich gemacht?
Sie arbeitete zunächst beim ORF in Wien, war danach über zwei Jahrzehnte nicht berufstätig und nahm 1984 ihre erste Anstellung als Klavierlehrerin in Perchtoldsdorf an, wo sie später ihre eigene Klavierschule führte.
Lebt Wiesje Heesters noch?
Öffentlich zugängliche Quellen geben darauf keine Antwort. Der letzte dokumentierte öffentliche Auftritt liegt im Dezember 2011.
Quellen: Wikipedia, Johannes Heesters, Wikipedia, Louisa Ghijs, oe24.at, Interview vom 26. Dezember 2011, Austria-Forum, Eintrag zu Nicole Heesters

