Marcel Neuer ist Schiedsrichter im westfälischen Amateurfußball und der ältere Bruder von Nationaltorwart Manuel Neuer. Bekannt ist er im Ruhrgebiet vor allem für seine Arbeit abseits des Spielfelds: Er bildet Schiedsrichter aus, entscheidet über deren Aufstieg in höhere Spielklassen und leitet den Verbands-Schiedsrichter-Ausschuss beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW).
Im Juni 2025 zeigte sich diese Funktion sehr konkret. Der FLVW vermeldete den Aufstieg des Schiedsrichters Cengiz Kabalakli aus dem Kreis Gelsenkirchen in die 3. Liga. Unter der Pressemitteilung stand ein Zitat des Verbandsvorsitzenden, der über diesen Aufstieg mitentschied, obwohl er selbst als aktiver Schiedsrichter nie über die Oberliga Westfalen hinauskam.
Inhaltsverzeichnis
Die wichtigsten Fakten im Überblick
| Angabe | Information |
|---|---|
| Geboren | 26. November 1984 in Gelsenkirchen |
| Wohnort | Gelsenkirchen |
| Tätigkeit | Schiedsrichter, aktiv seit dem Jahr 2000 |
| Höchste Spielklasse als aktiver Schiedsrichter | Oberliga Westfalen |
| Aktuelle Funktion | Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses, FLVW Westfalen |
| Frühere Station | Schiedsrichter-Betreuer beim FC Schalke 04 |
| Bruder | Manuel Neuer, geboren 27. März 1986, Torwart FC Bayern München |
Wie alles begann: der Vater, der erste Pfiff und ein Bruder am Spielfeldrand
Die Idee kam von seinem Vater Peter. Der machte im Rahmen seiner Trainerausbildung den Schiedsrichterschein, damals ein Pflichtteil der Ausbildung, und brachte seinen Sohn so zum ersten Mal mit der Pfeife in Kontakt. Laut einem Bericht des DFB entschied sich Marcel Neuer mit 15 Jahren dafür, selbst Schiedsrichter zu werden, und meldete sich im Jahr 2000 zum Anwärter-Lehrgang an. Er bestand als Einziger seines Kurses alle Prüfungen fehlerfrei.
Bei seinem ersten Spiel als Schiedsrichter stand am Spielfeldrand ein Zuschauer, den damals noch niemand kannte: sein jüngerer Bruder Manuel. Der rief ihm bei einem Einwurf zu, er habe in die falsche Richtung gezeigt. Recht hatte er damit nicht, wie sich Marcel im DFB-Bericht erinnert.
Die beiden wuchsen im Haus ihrer Großeltern in Gelsenkirchen-Buer auf und besuchten zunächst gemeinsam die Urbanus-Grundschule. Danach trennten sich die Schulwege: Marcel wechselte aufs Leibniz-Gymnasium, Manuel auf die Gesamtschule Berger Feld, die Partnerschule des FC Schalke 04. Zur selben Zeit wuchs mit Mesut Özil ein weiterer späterer Nationalspieler in Gelsenkirchen auf, ebenfalls aus einer Fußballfamilie, wie ein Bericht von RevierSport aus dem Jahr 2007 festhält.
Studium in Bochum und Jahre als aktiver Schiedsrichter
Während Manuel in der Bundesliga Fuß fasste, studierte Marcel Neuer katholische Theologie und Geschichte auf Lehramt an der Ruhr-Universität Bochum, mit Prüfungen unter anderem in Hebräisch. Parallel dazu pfiff er Spiele bis zur Oberliga und war regelmäßig als Schiedsrichterassistent in der Regionalliga im Einsatz, teils vor mehr als 6.000 Zuschauern. Laut fussball.de kam er in seinen aktivsten Jahren auf 70 bis 80 Einsätze pro Saison und arbeitete zusätzlich als Lehrwart und Schiedsrichterbeobachter für seinen Heimatkreis.
Einen seiner bekanntesten Auftritte hatte er bei keinem Pflichtspiel. Beim Charity-Match „Manuel Neuer & Friends“ gegen ein Team um Dirk Nowitzki in Würzburg leitete er die Partie trotz einer frischen Muskelverletzung, für die er sich vorher eine Spritze geben ließ. Seinem Bruder wollte er nicht absagen.
Vom Schiedsrichter-Betreuer bei Schalke zum Amt im Verband
Bevor er in die Verbandsarbeit wechselte, war er Schiedsrichter-Betreuer beim FC Schalke 04, dem Verein, bei dem sein Bruder ausgebildet wurde. Manuel Neuer selbst bestätigte diese Station in einem Interview mit Goal.
Wenn Schiedsrichter aus seinem Verband aufsteigen, kommentiert Marcel Neuer das öffentlich. Im Fall von Kabalakli sagte er in der genannten Mitteilung: „Wir freuen uns sehr über die gezeigten Leistungen und gratulieren allen Aufsteigern recht herzlich!“
Gewalt gegen Schiedsrichter: ein Thema aus eigener Erfahrung
Marcel Neuer setzt sich in seiner Verbandsarbeit auch gegen Übergriffe im Amateurfußball ein, ein Thema, das er aus eigener Erfahrung kennt. Im Sommer 2023 sagte er der Zeitung Westfälischer Anzeiger, wie t-online berichtete, dass er als junger Schiedsrichter selbst einmal nach einem Spiel eine Ohrfeige bekommen habe und angespuckt worden sei.
Die Beziehung zu seinem Bruder
Äußerlich unterscheiden sich die Brüder deutlich: Manuel ist blond, Marcel dunkelhaarig, wenn auch mit ähnlich großen Händen, wie fussball.de anmerkt. In Mimik und Gestik sollen sie sich laut mehreren Berichten dennoch stark ähneln.
Über Manuel sagte Marcel einmal, sein Bruder habe als Kind auf vieles verzichtet, worauf er selbst nicht hätte verzichten wollen. Für Manuel habe es eben nur Schule und Fußball gegeben.
Eine Parallele sieht er zwischen den beiden Positionen trotzdem: Auf dem Feld stehen zwanzig Feldspieler, aber nur ein Schiedsrichter und zwei Torhüter. Beide Rollen verlangen schnelle, klare Entscheidungen, nur auf unterschiedlichen Seiten der Linie.
Auf die Frage, warum seine eigene Laufbahn nie über die Oberliga hinausging, antwortete er 2015 im Gespräch mit fussball.de: Er bewege sich im Schwellenbereich zum Profifußball, das sei bereits ein Erfolg, und wer es weiter geschafft habe, sei einfach besser gewesen.

