Beate Rehhagel: Die Frau, ohne die es kein EM 2004 gegeben hätte

Beate Rehhagel ist die Frau, die in Rudi Völlers offizieller Laudatio auf Otto Rehhagel als einer von drei entscheidenden Faktoren seiner Karriere genannt wird, ohne je einen Titel getragen oder ein Interview gegeben zu haben. Wer sie ist und was sie in sechzig Jahren tatsächlich getan hat, ist eine Geschichte, die kaum jemand erzählt hat.



Wer ist Beate Rehhagel?

Beate Rehhagel wurde um 1943/44 in Essen-Steele geboren, dem südlichen Stadtteil der Stadt, während Otto Rehhagel im nördlichen Altenessen aufwuchs. Sie war ausgebildete Lehrerin. Seit Dezember 1963 sind die beiden verheiratet, seit über sechzig Jahren.

Kennengelernt haben sie sich auf dem Eis. Otto Rehhagel hat die Geschichte selbst erzählt, auf der Jahreshauptversammlung von Rot-Weiss Essen im Jahr 2015: Ein Fan des Vereins hatte ihn in die Grugahalle mitgenommen. Otto konnte nicht Schlittschuh laufen. Der Fan rief einem Mädchen zu: „Beate, komm mal her, der junge Mann will es lernen.“ Sie nahm seine Hand. Seitdem, sagte Otto, hat sie sie nicht mehr losgelassen.


Was Rudi Völler über sie schrieb

Als Otto Rehhagel 2024 in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen wurde, schrieb Rudi Völler die Laudatio auf der offiziellen Website des Deutschen Fußball-Bundes. Völler schrieb:

„Otto brauchte keinen Laptop, alles, was er benötigte, waren sein Bauch, seine Beate und seine Befugnisse.“

Den Bauch hatte Rehhagel von Natur aus. Die Befugnisse kamen mit jedem Trainervertrag. Beate Rehhagel hatte weder das eine noch das andere, und trotzdem steht ihr Name in dieser Aufzählung, auf der offiziellen Seite des nationalen Verbands, geschrieben von einem der bekanntesten deutschen Fußballer aller Zeiten.


Sommer 1963: Von Essen nach West-Berlin

Im Sommer 1963 gab Beate ihre Stelle als Lehrerin auf und zog mit Otto nach West-Berlin. Die beiden waren noch nicht verheiratet, Berlin war eine geteilte Stadt, und Otto hatte gerade seinen ersten Bundesligavertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Die Hochzeit folgte im Dezember desselben Jahres.

Sie baute in einer fremden Stadt ein gemeinsames Leben auf, ohne den Rückhalt des vertrauten Stadtteils und ohne gesicherte eigene Karriere.

Zehn Jahre lang lebten die beiden ohne Kind. Otto hat darüber in einem Interview gesprochen:

„Beate und ich haben gedacht, dass wir keinen Nachwuchs bekommen können. Und dann kam Jens. Das war das große Glück unseres Lebens.“

Sohn Jens Rehhagel wurde 1973 geboren. Er spielte in jungen Jahren Fußball bei Werder Bremen und den Amateuren von Bayer Leverkusen, studierte später an der Deutschen Sporthochschule Köln und wurde Nachwuchskoordinator bei Hannover 96.


Was Beate Rehhagel tatsächlich tat

Die Situation mit Rudi Völler in Bremen

Werder Bremen, Mitte der 1980er Jahre. Rudi Völler zeigte im Training schwache Leistungen, und Otto Rehhagel dachte ernsthaft darüber nach, ihn für das nächste Spiel auf die Bank zu setzen. Beate sagte: „Otto, mach keinen Fehler.“

Völler spielte und traf. Rehhagel erzählte diese Geschichte in einem Interview im Jahr 2023, als konkretes Beispiel dafür, was Beate in seinem Berufsleben bedeutete. Völler selbst hat sie bestätigt.

Die Mutter der Spielerfrauen

Über die vielen Stationen seiner Trainerkarriere hinweg wurde Beate Rehhagel von Journalisten und Beobachtern als „Mutter der Spielerfrauen“ beschrieben. Sie war die Anlaufstelle für die Partnerinnen der Spieler, die stille Konstante in einem Umfeld, das sich mit jedem Vereinswechsel neu zusammensetzte. Eine Funktion, die sie über Jahrzehnte ausfüllte, ohne dass jemand sie darum gebeten hatte.

Der Presseraum in Kaiserslautern

1997, Betzenberg. Otto Rehhagel saß vorne am Tisch, die Journalisten ihm gegenüber. Ein Journalist der Jungle World, der damals vor Ort war, beobachtete Beate in der hinteren Reihe, neben Vereinspräsident Friedrich. Sie sagte nichts. Sie merkte sich, wer fair fragte und wer nicht, während ihr Mann mit unbewegtem Gesicht auf jede Frage antwortete.

Die Gerüchte vor dem Meistertitel

Kurz vor dem Meistertitel 1998 liefen in Kaiserslautern Gerüchte um, das Ehepaar Rehhagel sei getrennt. Otto nannte es im Stern-Magazin eine gezielte Kampagne, angetrieben von internen Gegnern, die ihn destabilisieren wollten. Beate antwortete auf die Frage, was hinter den Gerüchten stecke:

„Neid und Missgunst.“

Bayern München, April 1996

Beate Rehhagel galt über Jahre als die ruhigere von beiden, als die, die durch Krisen nicht aus der Fassung geriet. Der Berliner Kurier berichtete 2012, dass die Entlassung bei Bayern München im April 1996 der erste und einzige dokumentierte Moment war, bei dem das sichtbar anders war. Bayern hatte Otto wenige Tage vor dem UEFA-Cup-Halbfinale entlassen. Das Ehepaar verließ München noch am selben Abend. Otto blieb nach außen hin gefasst. Beate nicht. Die Einzelheiten hat sie nie öffentlich gemacht.


Griechenland: Ihre Entscheidung, seine Karriere

Im Sommer 2001 zögerte Otto Rehhagel. Das Angebot, Nationaltrainer Griechenlands zu werden, lag auf dem Tisch: ein Team, das in der Weltrangliste kaum auftauchte und dessen letzte EM-Teilnahme eine Vorrundenblamage gewesen war. Beate sagte:

„Griechenland? Otto, lass uns das mal machen.“

Die Westdeutsche Zeitung titelte 2021 einen Bericht darüber mit den Worten: „Frau überzeugte ihn von Griechenlands Trainer-Posten.“

Sie fuhren beide nach Athen. Und sie blieben nicht nur für die EM 2004. Als Otto 2003 seinen Vertrag als Nationaltrainer verlängerte, begründete er es selbst:

„Am Ende haben der Erfolg und natürlich meine Ehefrau Beate den Ausschlag gegeben.“

Bis zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika lebten Beate und Otto Rehhagel in Athen. Neun Jahre in einer fremden Stadt, für einen Job, der formal nicht ihrer war.

Nach dem Ausscheiden Griechenlands bei der WM 2010 gab Beate in Südafrika einen einzigen Satz zu Protokoll:

„Er hat mehr erreicht, als mit dieser Mannschaft eigentlich möglich war.“


Essener Chancen: Das gemeinsame Engagement

Seit 2012 sind Beate und Otto Rehhagel Gründungsmitglieder von Essener Chancen, einer Sozialinitiative, die Kindern und Jugendlichen in Essen gleiche Startbedingungen verschaffen will. Auf der offiziellen Website des Vereins steht neben Beates Namen als Berufsbezeichnung ein einziges Wort, und das Wort lautet nicht Ehefrau und nicht Schirmherrin, sondern Managerin.

Die Initiative hat Bolzplätze in Essener Stadtteilen saniert, Spenden eingeworben und Projekte mit lokalen Partnern umgesetzt. Beide gemeinsam, seit über zwölf Jahren.


Beate Rehhagel: Was bekannt ist

DokumentiertNie öffentlich gemacht
Geboren um 1943/44 in Essen-SteeleGenaues Geburtsdatum
Ausgebildete LehrerinUnterrichtsfach und Schule
Verheiratet seit Dezember 1963Ihre persönliche Sicht auf die Bayern-Zeit
Mutter von Dr. Jens Rehhagel, geboren 1973Wie neun Jahre Athen für sie waren
Mitgründerin Essener Chancen, 2012Ob die fehlende Anerkennung sie je störte
Offiziell geführt als „Managerin“Irgendetwas über sich selbst

Beate Rehhagel und die Frage nach Anerkennung

Sie hat einen Trainer davon überzeugt, den wichtigsten Job seiner Karriere anzunehmen. Sie ist neun Jahre in einer fremden Stadt geblieben, damit er diesen Job halten konnte. Sie hat ihn vor einer Personalentscheidung bewahrt, die er bereut hätte. Sie saß in Presseräumen und schützte ihn vor dem, was er selbst nicht sah.

Hätte das ein Mann getan, hätte er dafür einen Titel gehabt: Sportdirektor vielleicht, Chefberater, Vertrauter des Trainers.

Beate Rehhagel hatte keinen davon. Ob sie einen wollte, hat sie nie gesagt. Was aus den Berichten hervorgeht: Beurteilungsvermögen, eine klare Meinung und sechzig Jahre Verlässlichkeit.


Beate Rehhagel heute: Zurück in Essen

Otto Rehhagel wurde im August 2025 87 Jahre alt. Er lebt seit Jahren wieder in seiner Heimatstadt Essen, gemeinsam mit Beate. Im März 2025 war er bei einem Oberligaspiel des ETB Schwarz-Weiß Essen, um die Partien des Otto-Rehhagel-Cups 2025 auszulosen, einem Jugendturnier, das seinen Namen trägt.

Beate Rehhagel taucht in solchen Berichten nicht auf. In der Grugahalle in Essen hat vor über sechzig Jahren alles angefangen. Heute ist sie wieder dort, in derselben Stadt, mit demselben Mann. Nur dass er inzwischen der bekanntere von beiden ist.


Quellen: DFB.de, Rudi Völlers Laudatio auf Otto Rehhagel · Essener Chancen, offizielle Gründerseite · Rot-Weiss Essen Vereinsarchiv · Berliner Kurier, Februar 2012 · Kicker Magazin, November 2021

Dennis Luft
Dennis Lufthttps://newszentral.de/
Ich bin in Nürnberg aufgewachsen, habe dort Journalismus studiert und anschließend über neun Jahre für lokale Verlage in der Metropolregion gearbeitet. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass ein guter Journalist kein Ressort braucht: Ich habe politische Entwicklungen begleitet, Sportereignisse von der Bundesliga bis zur Champions League aufbereitet, Prominente porträtiert und ihre Hintergründe beleuchtet, Beziehungsgeschichten und gesellschaftliche Debatten eingeordnet, Technologiethemen verständlich erklärt, Unterhaltungsnews aus Film, Musik und Reality-TV verfolgt und Wirtschaftsnachrichten für echte Menschen greifbar gemacht. News Zentral habe ich im Mai 2026 gegründet, weil mir ein deutschsprachiges Portal gefehlt hat, das all diese Themen mit dem gleichen journalistischen Anspruch behandelt, egal ob es um einen Bundesliga-Spieltag geht, die neueste Affäre aus dem Showbusiness oder eine politische Entscheidung, die das Land bewegt. Ich schreibe hier täglich, zu allem, was gerade zählt.

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